Um die künftige „Sonnenberger Promenade“ drehte sich am 8.11.2017 ein öffentliches Bürgergespräch. Hier ein Bericht der Architektin sowie alle gezeigten Pläne.
Antje Heuer und Tobias Hüttner vom Büro KARO* architekten stellten im BLessing erste Entwürfe zur Umgestaltung der Reinhardtstraße vor. Gemeinsam mit Thomas Mehlhorn vom Stadtplanungsamt Chemnitz nahmen sie Kritik, Zuspruch und Anregungen auf. Antje Heuer schreibt:
Die Stadt Chemnitz hatte die Studie in Auftrag gegeben.
Die grundsätzliche Idee zu einer solchen Promenade stammt aus der städtebaulichen Rahmenplanung “Sonnenberg-Nord“, die öffentlich diskutiert und Ende 2014 vom Stadtrat beschlossen wurde. Die „Sonnenberger Promenade“ wird in der aktuellen Untersuchung vor allem für den Bereich zwischen Lessingplatz und Zeisigwald betrachtet.

 

Die Architekten haben die Aufgabe, einen roten Faden zu entwickeln, der die verschiedensten Maßnahmen kommender Jahre miteinander verknüpft – sowohl die Maßnahmen, die bis Ende 2019 mit Hilfe von EFRE-Mitteln in die Realität umgesetzt werden können, als auch die, deren Finanztöpfe erst noch erschlossen werden müssen.

 

Ziel ist, dass die Reinhardtstraße langfristig funktioniert und möglichst vielen Ansprüchen gerecht wird: So müssen die Fahrbahnen und Plätze sicher und barrierefrei überquert werden können und soll die Straße Atmosphäre ausstrahlen. Es gibt viele Bedürfnisse gleichzeitig, zum Beispiel nach dem Parkplatz vor der Haustür (vielleicht mit E-Ladesäule), aber auch nach viel Grün im Straßenraum – Bäumen mit Schatten, Blüten, (essbaren) Früchten. Dieser Konflikt wurde heftig diskutiert. Denn natürlich ist der Raum einer gründerzeitlichen Straße begrenzt. Im Ergebnis wird es gelten, abzuwägen und die richtige Balance zu finden.

 

Das Konzept der Studie geht – in Analogie zur Musik – von einem „Remix“ aus Geschichte und Gegenwart, alten Strukturen und neuen Spuren aus. Zwei Gedanken wollen die Reinhardtstraße „stark machen“: zum einen sollen – im übertragenen Sinne – die Energien Sonnenbergs genutzt, miteinander verbunden und „getankt“ werden können. Zum anderen soll der nahe Zeisigwald noch stärker ins Bewusstsein von Bewohnern, Neuankömmlingen und Gästen gebracht werden.

 

Dazu könnte ein farbig asphaltierter Sportpfad, der „Zeisigpfad“, den Fußweg ergänzen, auf welchem Zeichen wie Laubblätter oder Meterzahlen die zurückgelegte Strecke und den Weg zum Wald markieren. Aufpflasterungen bzw. Baumfelder bieten die Möglichkeit kleiner „Energiefelder“, die beispielsweise mit einer zeitgemäß gestalteten Waldbank, einem kleinen Trinkbrunnen, einem versteinerten Schachtelhalm oder auch einer E-Ladesäule besetzt werden können.

 

Ein kleiner Teilbereich könnte als Shared Space funktionieren, d. h. als Straßenraum, in dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind und robuste Fitnessgeräte den Sportpfad ergänzen.
Die Größe und Anzahl solcher „Energiefelder“, aber auch, was darauf geschehen soll, ist zwar beispielhaft vorgeschlagen, aber nicht zwingend festgelegt. Die Ideen dafür können wachsen. Denkbar ist, dass bestimmte Akteure Patenschaften für bestimmte Felder übernehmen, etwa die Grundschule für das Feld vor den Schultüren.

 

Anliegende Brachen könnten temporär als Spielplatz oder auch für Stellplätze genutzt werden. Kletterwände ersetzen zeitweise fehlende Raumkanten, sie sind zum Beispiel mit Graffiti oder Spuren der Stadtteilgeschichte gestaltet und können später an eine andere Stelle versetzt werden. Auch vorübergehende Freiluftgalerien, etwa mit fotografischen Porträts von Anwohnern des Sonnenbergs, sind vorstellbar: Auf dem Sonnenberg existiert viel künstlerisches Potenzial und aus dem Publikum kommt der Hinweis auf die Galerieeröffnung des Vereins denkART e. V.

 

Die Entwürfe werden demnächst öffentlich ausgestellt, der Ort wird noch bekannt gegeben.
Zwei Varianten spielen durch, welche Auswirkungen bestimmte Straßenraumquerschnitte auf den Stadtraum haben. In Konzept eins wird längs, in Konzept zwei senkrecht zum Straßenverlauf geparkt.Das Konzept ist noch nicht fertig und flexibel, es kann jetzt und künftig angepasst und mit Ideen angereichert werden – auch jeweils vor der Entwurfs- und Genehmigungsplanung des betreffenden Straßenabschnitts in den nächsten Jahren.
Antje Heuer
Hier die gezeigten Pläne:
1 Städtebauliche Einordnung
2-4 Konzept und städtebauliche Entwürfe Variante 1 und 2 (A0-Pläne) 
5-6 Elementbaukasten Energie und Wald 
7-8 Straßenquerschnitte der Entwürfe Variante 1 und 2
9-12 Entwurf Variante 1 und Teilausschnitte
13-14 Entwurf Variante 2 und Teilausschnitt
15-20 Visualisierungen