Wie sieht die Planung für den Tunnel und den neuen Bahnhofsausgang Ost aus? Warum dauert es so lange? Wie werden die Buslinien angebunden? Dafür wurde im Bürgergespräch eine Lösung gefunden.

Elke Koch und Bernd Gregorczyk

Die Stadt hatte schon eine Wegführung durch die Gießerstraße geplant. Das hatte Stadtrat Bernhard Herrmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) alarmiert. Wenn die Gießerstraße dann Durchgangsstrecke der Buslinien 21 und 31 wird, verändert sie ihren Charakter, stellte er dar. Darüber müsste erst öffentlich beraten werden. Stadtteilmanagement und Stadtteilrat beriefen eine Bürgerversammlung ein. Der Leiter des Tiefbauamts Bernd Gregorczyk, war schon oft auf dem Sonnenberg zu solchen Gesprächen zu Gast.

Ergebnis ist, dass erst der neue Bahnhofsausgang gebaut wird und dann über die Anbindung mit den Buslinien – wie im Nahverkehrskonzept geplant – entschieden.

Herrmanns Fazit auf Facebook am späten Abend: „Etwa 50 Interessierte waren dabei – der Sonnenberg hat großes Potential lebendiger Bürgerbeteiligung! Toll!!
Vielen Dank auch an das Tiefbauamt im Baudezernat – der Tunnel wird bei hoffentlich akzeptablen Ausschreibungsergebnis in diesem Jahr kommen.
Wie die Wege zwischen Sonnenberg und neuem Bahnhofszugang aussehen werden, ob die Gießerstraße vielleicht zur hochwertigen und für alle sicheren „Flaniermeile“ (so ein Teilnehmer) werden kann, darüber werden die Akteure des Sonnenbergs mit den Bauämtern im Gespräch bleiben.
Die anwesenden Stadträte werden – ebenso wie das Tiefbauamt – die gegeben Anregungen für die weiteren Entscheidungen mitnehmen und mitbedenken.“

Neben Stadtrat Bernhard Herrmann waren auch Lars Fassmann und Toni Rotter von der Fraktion Vosi/Piraten sowie der grüne Fraktionsvorsitzende Thomas Lehmann gekommen.

Wieso der Sonnenberg so lange auf einen Bahnhofsausgang warten muss, erklärte Tiefbauamtsleiter Bernd Gregorczyk als erstes: „Die Bahn hatte für den Tunnel nur den Notausgang zur Sonnenberger Seite gebaut. Es brauchte ein halbes Dutzend Beratungen über zwei Jahre, um Ende letzten Jahres die Genehmigung für eine Öffnung für alle und rund um die Uhr zu erreichen. Die Bahn beteiligt sich finanziell in keiner Weise, nicht einmal für die Anzeigetafel, wann die Züge abfahren.“ 

Er zeigte Pläne und erklärte: Eine 6 Meter breite Treppe wird gebaut, parallel ein Aufzug, davor ein Dach, 15 mal 50 Meter groß. Über die Dresdner Straße zur Gießerstraße führt eine neue Ampel. Die Arbeiten werden ausgeschrieben, im Juni soll mit dem Bau begonnen werden. „Aber Ausschreibungen machen uns momentan Sorgen, wegen des Baubooms können sich die Firmen die Aufträge aussuchen und geben Angebote zu sehr hohen Preisen ab. Auch die Wartezeit auf Aufzüge ist im Moment exorbitant lang.“ Die Stadt will dennoch auf den zeitigen Baubeginn dringen,  so dass der neue Ausgang Ost Ende des Jahres fertig ist.

„Das würde meinen Fußweg zum Bahnhof um ein Drittel verkürzen“, freute sich Jürgen Keppler, Kreisvorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenverbands, und ließ sich von Gregoczyk versichern, dass die Regeln der Barrierefreiheit eingehalten würden. Der Verband hat eine „Vision für ein barrierefreies Chemnitz“ auf seiner Website.

Auch Professor Clauss Dietel, der den Sonnenberg immer wieder im Kampf um eine bessere Verbindung zur Stadt unterstützt hatte, lobte den Plan.

Zur Busanbindung gab es unterschiedliche Meinungen. Eine Frau aus dem Yorckgebiet wünscht sich den direkten Bahnhofsanschluss, eine Anwohnerin an der Hainstraße fürchtet die Belastung, wenn die Buslinien durch den Sonnenberg hindurch und nicht wie bisher darum herum geführt werden. Sollte der Busverkehr durch die untere Peterstraße rollen? Könnten die Linien unterschiedlich fahren? Oder wird dann die Fahrtzeit zu lang? Sollte die Gießerstraße zur Sackgasse werden? Zur Flaniermeile, wie Lars Fassmann und Kreativwirtschaftsmanager Robert Verch sich wünschten. Sollten Mittelinseln auf der Dresdner Straße die Querung erleichtern? Welche Rolle spielen die Ideen und Planungen, die Fernbusse am neuen Ausgang Ost abfahren zulassen, wenn der ZOB auf den Bahnhofsvorplatz umzieht?

Reporter Joseph Wenzel interviewte Jürgen Keppler vom Blinden- und Sehbehindertenverband

Fakt ist, dass Staus an der Kreuzung Tomas-Mann-Platz häufiger sind, der Abschnitt der Dresdner Straße Richtung Fürstenstraße bildet eine Rennstrecke, wo der Verkehr flüssig fließt. Gerade das führte zu tödlichen Verkehrsunfällen.

Baum an der Gießerstraße gefällt. Foto: Eckart Roßberg

„Ja, wir brauchen eigentliche eine komplette Untersuchung des Abschnitts der Dresdner Straße“, stimmte Gregorczyk den Fragern zu. „Wir werden den Plan der Gießerstraße zurück stellen und den Knoten nur erdbauseitig vorbereiten. Später würden wir uns wieder bei Ihnen einladen.“

Das bedeutet für die Bäume, dass diejenigen gefällt werden, die dem Bahnhofsausgang, dem Übergang über die Dredner Straße und der Vorbereitung einer Haltestelle an der Dresdner Straße weichen müssen. Auf jeden Fall werden 2019 „zwölf mittelkronige, hochstämmige Laubbäume  mit Stammumfang 16 bis 18 cm“ an der Gießerstraße neu gepflanzt.

Und der Reporter der Freien Presse Joseph Wenzel, ein Chemnitzer Neuling, lobte die ganze Versammlung: “Solche qualifizierten Bürgerversammlungen kenne ich sonst nicht.“

Hier sein Bericht „Bald Licht am Ende des Tunnels“