“Ei, eine Baustelle! Da wird der Gehweg gemacht!” Das war für die behinderten Besucher des Clubs Heinrich und das ganze Team eine großartige Überraschung vor Weihnachten.

Wer auf dem Asphaltstreifen steht, der sich, umsäumt von grauem Splitt, von der einen Straßenecke zur nächsten zieht, kann sich nicht vorstellen, wie es früher aussah. Und wie lange die Sanierung sehnlichst gewünscht wurde.

Als die grüne Sonnenbergtruppe, wie Hellfried Malech schrieb, 2015 ihren zweiten Barrierefreiheits-Rundgang machte, startete er beim Club Heinrich. Dort erzählte Kay Uhrig, Leiter der Ambulanten Behindertenhilfe der Stadtmission, dass er sich wegen des schlechten Gehwegzustands schon vor längerer Zeit an die Stadt gewandt hatte, aber ohne Erfolg. Und auch dann dauerte es.

Im Spätherbst 2017 bat Baubürgermeister Michael Stötzer um eine konkrete Beschreibung. Mandy Herrmann, die mit Katrin Wallasch zusammen den Club leitet, schrieb an Katharina Weyandt und schickte Fotos:

schlechter Fußweg“- insgesamt ist der Fußweg entlang des Clubs sowie der Heinrich-Schütz-Straße sehr unterschiedlich und uneben (unterschiedliche Steinplatten, Gullideckel, Asphalt, Dreck…)
– das Stück Fußweg zur Straße ist zum Teil mit Erde ausgestattet, das sich bei Regen in eine Riesenpfütze verwandelt
– die Überquerung der Straße zur gegenüberliegenden Bushaltestelle ist sowohl für blinde Menschen als auch für Menschen im Rollstuhl nicht möglich, da die Bordsteine nicht komplett abgesenkt sind
– wenn die Besucher den Fußweg auf der H.-Schütz-Straße nutzen, um zur Ampel zu gelangen, wird dies durch den vorhandenen Fußweg (große unregelmäßige Granitplatten) sehr erschwert; außerdem muss die Münchner Straße überquert werden, bei der sich ebenfalls kein komplett abgesenkter Bordstein befindet
– Auffahrt zur Hausdurchfahrt hat einen Absatz zum Fußweg – ist ungünstig wenn ein Mensch im Rollstuhl zum barrierefreien Hintereingang des Clubs gelangen möchte.
– Ebenso werden die Leute im Rollstuhl durchgeschüttelt, wenn der Fahrdienst die Einfahrt benutzt”.

Dann Anfang 2018 meldeten sich zwei Mitarbeiter des Baudezernats und begutachteten die Lage. Weil die Sanierung einer Einfahrt Sache des Hausbesitzers ist, wollten sie den erst einmal anschreiben. Ganz angetan seien sie gewesen, dass die historischen Granitplatten für eine andere Verwendung frei würden, erzählte Katrin Wallasch. Die Monate gingen ins Land, die Eigentümergemeinschaft, der das Haus gehört, wollte sich wohl nicht beteiligen.

Das Baugewerbe hatte inzwischen immer mehr zu tun. Die Lage wurde schwieriger. Stötzer bekam zum Beispiel auf die Ausschreibung des neuen Bahnhofsausgangs zur Sonnenberger Seite hin kein Angebot. Der städtische Bauhof hatte durch Sparmaßnahmen Mitarbeiter verloren. Erst im Doppelhaushalt 2018/2019 wurden wieder Stellen zum Beispiel für Gehwegreparaturen eingeplant.

Um so größer dann die Freude, als zum Jahresende auf einmal Baufirmen anrückten. Als an einem eisigen Tag geteert wurde, ließen sich die Bauarbeiter zum Essen und Aufwärmen in den Club einladen, wurde erzählt.

Michaela Sandeck im Rolli und Katrin Wallasch kamen trotz Regen zum Feier-Foto vor die Tür. Und sie bedankten sich bei allen, die sich dafür eingesetzt hatten. “Auch bei der Stadtverwaltung”, sagte Katrin Wallasch.