Wo viel Leben ist, gibt es einen Fels in der Brandung

Das ist ein kleines Portrait des Don Bosco Hauses und einem gleichzeitigen Interview, welches wir mit Pater Johannes Kaufmann von der Ordensgemeinschaft der Salesianer im Don Bosco Haus führen konnten. Er selbst ist hier hauptamtlich seit dem August 2009 tätig. Im Don Bosco Haus bietet Angebote in 5 Arbeitsfeldern/ Bereichen, das sind im Einzelnen:

die Offene Kinder- und Jugendarbeit, die Schulsozialarbeit, Hilfen zur Erziehung, die Familienbildung und den Kinder- und Jugendzirkus „Birikino“.

Unser Gespräch war von vielen, aber lebhaften Unterbrechungen gekennzeichnet. Kinder, Jugendliche und Mitarbeiter wollten unbedingt mit Pater Johannes noch „kurz“ eine Frage erörtern – meistens waren es doch etwas mehr 😉  . Mit einer unwahrscheinlichen Geduld wurde das noch zwischen unserem Gespräch erledigt. Wie ein Fels in der Brandung hat Pater Johannes alles mit seiner innewohnenden Ruhe erledigt.

Gebürtig in Aalen hat ihn seine berufliche Ausbildung u.a. zu diversen Stationen in die Bundesrepublik als auch 1 Jahr nach Bolivien geführt. Im Jahr 2002 hat er ein Praktikum beim Pater Albert Krottenthaler hier am Sonnenberg absolviert. Quasi, wie ein Glückstreffer kam dann 2009 die Anfrage, ob er nicht selber hier die Leitung übernehmen möchte. Diese Nachfolge hat er mit Freude angetreten und wirkt seit dem mit seinem engagierten Team im Don Bosco Haus.

SO: Pater Johannes, es ist wirklich toll, dass wir unser Interview mit Ihnen noch in diesem Jahr führen können.

PJ: „Es ist wahnsinnig viel vor dem Jahresende zu erledigen. Insbesondere die Zeit vor Weihnachten ist intensiv und da muss ich die Termine sehr kurzfristig, so wie mit Ihnen, noch dazwischen schieben bzw. auch nochmals verschieben. 2 Projekte laufen gerade intensiv und da wird noch gebaut, so dass die Zeit insgesamt sehr schnell vergeht. Aber die momentane Hektik ist nicht repräsentativ“ und letzteres entlockt ihm bei dieser Aussage ein Lächeln.

SO: Wir sind so alle 2-3 Monate auf einem Abstecher mal bei Ihnen im Haus und stellen fest: Hier passiert immer etwas Neues.

PJ: Tja, wir haben ganz tolle, fitte und lebendige Mitarbeiter und es gibt immer wieder bei uns Projekte, in denen immer etwas passiert. Das ist richtig. Wir sind momentan dabei, unseren Keller umzubauen, von einer ehemaligen Disco zu einem Clubraum mit Kinoeinrichtung. Das wird u.a. von einem Künstler durchgeführt und bei dieser „neuen Gestaltung“ gibt es keine Ecken mehr in den Räumen. Vieles ist einfach rund geworden. Wir haben Bäume stilisiert, die das Gewölbe tragen. Das Ganze ist ein Projekt im Rahmen des „Lokalen Aktionsplans“ (LAP). Wirklich sehr spannend. Das zeige ich Ihnen gleich einmal.

Aber lassen sie mich nochmals die letzten 2 Jahre ansprechen. Viele unserer gehegten Träume konnten wir in die Realität umsetzen und das ist rückblickend eine schöne Erfahrung. Das größte Komplimente bleibt bei allem, dass die Kinder und Jungendlichen in die Einrichtung kommen und uns selbst das Gefühl geben: Unsere geleistete Arbeit wird honoriert.

SO: Wie viele Kinder und Jugendlichen besuchen denn das DBH tagtäglich?

PJ: Im offenen Bereich konnten wir im letzten Jahr im Durchschnitt 80 Kinder und Jugendliche empfangen. Dieses Jahr liegen wir mit ca. 90 Besuchern pro Öffnungstag sogar darüber. Schön!

SO: Wenn wir in Schulen oder anderswo Kinder und Jugendliche ansprechen und nachfragen, wo man so auf dem Sonnenberg hingeht, werden immer 2 Kristallisationsobjekte benannt: das DBH und der Bumerang.

Unter den finanziellen Einschnitten von dem u.a. auch die soziale Arbeit betroffen ist, finden wir es enorm, was sehr viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf dem Sonnenberg leisten. Wie sehen Sie diese negative Entwicklung des finanziellen Einschnitts?

PJ: Das trifft uns natürlich und die Grundfinanzierung hinzubekommen ist nicht einfach. Das wichtigste für uns sind natürlich unsere Mitarbeiter. Problematisch wird es, wenn immer weniger Mitarbeiter im Team sind oder die Zeit immer weiter beschnitten wird. Da kann es dazu kommen, dass wir Gefahr laufen, überrannt zu werden. Trotzdem bin ich zufrieden, aber der Blick in die nahe Zukunft bereitet uns schon ein paar Sorgenfalten.

SO: Es wäre ja nicht schlecht, wenn wir im Rahmen unseres Onlineportals Ihnen und dem Haus ein wenig Unterstützung geben könnten. Hätten Sie spontan dazu einen Vorschlag?

PJ: Wir suchen z.B. jemanden, der gerne bastelt und uns 1-1,5 Stunden in der Woche ehrenamtlich unterstützen könnte. Wir haben auch eine tolle Holzwerkstatt, die genutzt werden kann. Oder im Rahmen der Computer-Arbeit. Wir erstellen hier einmal im Monat eine Zeitung und vielleicht gibt es auch auf dem Sektor jemand, der gern zu uns stoßen könnte.

SO: Könnten Sie spontan 3 gute Seiten vom Sonnenberg aufzählen?

PJ: Ein sehr schöner Stadtteil. Baulich und ästhetisch ein schönes Ensemble. Natürlich gibt es Probleme die nicht wegzudiskutieren sind. Das ist hier und da der Hundekot. Aber, wo gibt es das nicht auch?

Ich liebe die Menschen. Sie finden am Sonnenberg von Universitätsprofessoren, Handwerksmeistern bis hin zu ganz einfachen Menschen ein breites Spektrum an verschiedenen Leuten. Mein Eindruck ist der, dass sie alle untereinander ins Gespräch kommen könnten.

Nicht zu Letzt liebe ich es, dass es hier im Stadtteil sehr viele Kinder und Jugendliche gibt und deshalb

„viel Leben ist!“

Es geht auch viel los. Wie das Fenster in die Erdgeschichte oder der Neubau des Stadions, das für den Stadtteil sehr gut ist. Obwohl wir als sozialer Träger auch dazu eine ambivalente Haltung haben. Zu erwähnen ist der Zeisigwald mit seinen vielen Möglichkeiten. Nehmen sie nur die Bunten Gärten als weiteres Beispiel oder die Nähe zur Innenstadt. Die ganze Bandbreite der Schulen.

Ich bin gern hier.

Es ist 16.10 Uhr, die Mädelsgruppe stürmt in den Raum. Pater Kaufmann muss zum nächsten Termin in die Stadt fahren. Wir laufen die Treppen runter und verabreden uns noch fix für ein anstehendes Projekt, dass wir in einer Kooperation mit dem Don Bosco Haus anschieben bzw. unterstützen wollen.

Bis demnächst Pater Johannes. Schnell noch ein Händeschütteln und dann geht es für uns beide weiter. Das ist so ein bisschen das Flair vom Don Bosco Haus. Stillstand gibt es nicht, alles oder JEDER ist hier im Fluss und wird mitgenommen.

Ein letzter Blick auf die Außenanlagen. Ich bewundere noch schnell das neulich entstandene Baumhaus oder das Kleinspielfeld mit den integrierten Fenstern mit kirchlichen Motiven, angebracht im Ballfangzaun (Chapeau, super Idee!), zwischen vorbeifliegenden Fußbällen und Stimmengewirr bevor ich selber zum Bumerang muss. Hier wurde wirklich tolle Arbeit geleistet.

Empfehlung für Jung und Alt: Unbedingt vorbeigehen und selber staunen, Kontakte knüpfen.

Mehr erfahren Sie auf der Internetseite unter: http://www.dbh-chemnitz.de/