Für jede Ausgabe der Stadtteilzeitung kann man ein Atelier auf dem Sonnenberg besuchen. Als nächstes öffnet am 20.2. um 19 Uhr das Ehepaar Remestvenskyy die Tür zu seiner Künstlerwohnung*. Davor war Fritz Schönfelder in der Palmstraße das Ziel. Fritz_SchoenfelderFritz Schönfelder wurde 1943 in Chemnitz geboren. Nach der Schulzeit absolvierte er ein Studium als Jugenderzieher im Wahlfach Kunst. „Man hat schon immer Spaß am Gestalten gehabt „, sagt Schönfelder zu seinem Berufsweg. Mit 33 Jahren begann er sein Studium im Fachbereich Malerei/Grafik an der Hochschule für Industrielle Formgestaltung Halle,  Burg Giebichenstein,  heute Hochschule für Kunst und Design.  Er hat sich anregen lassen, von anderen gelernt: Sigrid Noack aus Guben (Brandenburg), Herbert Kunze aus Dresden,  Hannes H. Wagner  und  Willi Neubert aus Halle nennt er. „Jeder Lehrer war Anreger, auch wenn man sich  nur kurzzeitig beeinflussen ließ“, meint er. 1979 begann er seine freischaffende Tätigkeit in Guben  und wurde 1982 in den Verband Bildender Künstler aufgenommen. 1990 kehrte er nach Chemnitz zurück.

Beziehung zum Sonnenberg?

„Sonnenberg?“ Fritz Schönfelder macht seine Antwort kurz: “ Wir wohnen hier in der Paul-Gerhardt-Straße und fühlen uns einigermaßen aufgehoben. Die Räume in der Palmstraße entsprechen meinen Ansprüchen.“ Zwei Ecken weiter in der inzwischen abgerissenen Dresdener Straße 92 war der Chemnitzer Kunstverein Laterne e. V. ansässig, in dem Schönfelder ebenso wie im Chemnitzer Künstlerbund  Mitglied ist.

Wie sieht es im Atelier aus?

Das Hinterhaus inmitten von Gewerbegebäuden kennen die meisten Teilnehmenden des Kunstgesprächs schon durch einen Besuch vor einem Jahr bei Marian Kretschmer.

Erst führt Schönfelder seine Gäste in den kleinen Raum, in dem er arbeitet. In einem Nebenzimmer lagert er seine Werke. Fast jeden Tag von vormittags bis nachmittags werkelt er hier an seinen Collagen und Figuren.  Ein grauer Büro-Teppichboden wird durch einen rot-türkisen Teppich mit ausgefransten Rändern vor Farbe und Klebstoff geschützt. Auf einem Tapetentisch und Regalen stapeln sich Papiere, Farben, Stifte, Spraydosen. Ein Zweisitzer-Sofa, ein Wasserkocher, Gläser und Kaffeepulver sind da, aber die Pausenzeit scheint hier knapp zu sein.

Extra für den Besuch hat er eine Überraschung vorbereitet: eine Ausstellung in einem leer stehenden Raum eine  Etage tiefer. Kunstgespräch_SchönfelderHier sieht es wie in einer modernen Galerie aus, auch wenn Schönfelder erklärt, dass seine Arbeiten in Räumen mit noch mehr Platz noch besser gewirkt hätten. Wie etwa in der Neuen Sächsischen Galerie anlässlich des 20jährigen Bestehens des Kunstvereins „Laterne“ e.V. zu Anfang des Jahres 2012.

Welche Kunst gibt es?

In den Anfangsjahren hat Schönfelder sich hauptsächlich mit Malerei und Grafik beschäftigt. „Jetzt wird weniger gemalt als gemacht“, erklärt der. So entstehen Collagen – geklebte Bilder auf Papier – und plastische Objekte aus unterschiedlichen Materialien . Zum Beispiel hat er ein Ausstellungsplakat des bekannten amerikanischen Künstlers Jeff Koons, das ein großes Herz in den Mittelpunkt stellt, mit kleinen Papierherzen  beklebt. „Plakate, Herzen Punkte, aufgeklebte Kartons spielen immer eine Rolle“, erklärt er: „Ich bin mir im klaren, dass das nicht jedermanns Sache ist mit den Herzchen, aber heute zeigt die Kunst oft Grausamkeiten, um Aufmerksamkeit zu erhaschen, wie ich meine. Um so größer die Grauslichkeiten, um so bedeutender scheint das Kunstwerk zu sein. Als mein Gegengewicht sind die Herzbilder entstanden.“

Für zwei Collagen hat er Pappe von  russischen Paketen verwendet. In der ersten wird eine Majakowski-Büste eingerahmt, i n der daneben  „Star Man“, eine  amerikanische Comicfigur, in den Mittelpunkt gestellt.

Schoenfelder_Naivlinge-webEine Reihe von Figuren fällt auf. Schönfelder zeigt auf eine unbemalte, „das soll Veit werden“. Es gibt Anna, Bruno, dann ein Frauenname mit C, dann ein Männername mit D, bis das Alphabet ausgeschöpft sein wird.“ In der Ecke steht, aus einer früheren Serie und leicht vergilbt im Unterschied zu ihren knallbunten neuen Geschwistern, „Edith“, fertig gestellt am 27. Juli 93, wie am Sockel zu lesen ist. Weil sie „so klein sind, von unten herauf schauen“, haben sie irgendwann den Sammelnamen „Deutsche Naivlinge“ erhalten.

Eins seiner Objekte, das er den Gästen zeigt, trägt den Titel „ amerikanischer Zwerg“. Es korrespondiert mit einer Collage an der Wand, auch sie mit den „Stars and Stripes“ der US-Flagge beklebt. „Hier treffen sich der Gegensatz von der Größe des Landes mit der eines  freundlichen Zwerges“.

Andere Arbeiten zeigen Textilbilder, alles mit Akkuratesse ausgeschnitten und geklebt. Spielerisch verändert er die Buchstaben, setzt sie zu neuen Worten zusammen. So gesehen auf einem Plakat, das ursprünglich für eine Ausstellung der Arbeiten von Wolfgang Joop wirbt. Nach Schönfelders Bearbeitung ist „Gangolf“ übrig geblieben.

Jung wirkt seine Kunst, finden die Besucher. Liegt das nur daran, dass das Material aus der heutigen Zeit kommt, wie Schönfelder sagt?

Er blickt nach vor: „Wenn man nicht alles geschafft hat, das ist gut, sonst macht sich Leere breit.“

Biographische Angaben auf der Seite des Kunstvereins Laterne e. V.

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