Bewohnerbefragung

Im Januar 2012 waren Soziologie-Studenten der TU Chemnitz auf dem Sonnenberg unterwegs und interviewten über 400 ausgewählte Bewohner zu ihrer Meinung zum Stadtteil. Gemeinsam mit Stadtteilmanagerin Elke Koch und den Gemeinwesenkoordinatorinnen war ein Fragebogen entwickelt worden.

Was sagen Sie zu Ihrer Wohnumgebung?
Wie gern wohnen Sie hier?
Wie beurteilen Sie das Zusammenleben?
Welchen Orte gefallen Ihnen, welche nicht?

Ein Fazit ist: Mehr als zwei Drittel wohnen gern bis sehr gern hier.

Das sind die Sonnenberger

Die Stichprobe im Vergleich mit den Ergebnissen der Stadtteilstatistik 2010 (in Klammern) zeigt, dass  die Umfrage repräsentativ ist. Denn die wesentlichen Merkmale sind gleich.
Arbeitslose 13,3 % (16,6 % – der Unterschied liegt daran, dass keine arbeitslosen Jugendlichen erfasst wurden, weil die Befragung erst mit 18 Jahren begann)
Männer            48,6 %  (49,8 %)
Frauen 50,1 %  (50,2 %)
Deutsche: 91,9 % (92,5 %)
…davon doppelte Staatsbürgerschaft: 1,9 % (1,9 %)
Ausländer: 8,1% (7,5 %)
Altenquotient 28,2 (25,2)
Durchschnittsalter 47,6 Jahre (46,1 Jahre)

So wohnen sie
Die durchschnittliche Haushaltsgröße beträgt 2,21 Personen.
47 % Leben als Paar ohne Kinder.
18 % leben als Familie.
Familien haben im Durchschnitt 1,6 Kinder. 12,5 % haben 3 und mehr Kinder.
21 % leben allein. Der Anteil der Männer, die allein wohnen, ist höher als der der Frauen. 7 % leben alleinerziehend mit Kindern zusammen. 4 % leben in einer WG.

Das haben sie gelernt, so arbeiten sie
36 % haben studiert oder zumindest das Fachabitur als höchsten Bildungsabschluss.
35 % haben den Realschulabschluss (POS).
16 % haben den Hauptschulabschluss.
43 % sind voll oder in Teilzeit erwerbstätig, 26 % sind in Rente. 13 % sind nicht erwerbstätig oder geringfügig beschäftigt. 13 % sind in Ausbildung, Schule oder Studium.

So viel Geld haben sie im Monat
Das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen liegt bei ca. 1600 Euro. Weniger als 1000 Euro hat 23 % der Haushalte, 1000-1999 Euro 30 %, 2000-2999 Euro 17 %, 3000-4999 Euro 6 % und 1 % mehr als 5000 Euro. Die Jungen sind ärmer als die Alten: Der Mehrheit der 18-26-Jährigen steht weniger als 1000 Euro / Monat zur Verfügung. Im Mittel erzielen die Rentner höhere Haushaltsnettoeinkommen als die 27-65-Jährigen.
45 % schätzt die eigene finanzielle Lage als gut oder “eher gut” ein, 35 %  „weder gut noch schlecht“. 10 % als schlecht oder “eher schlecht”. Zu dieser Gruppe gehören 34,8 % der Rentner.

So lange wohnen sie  hier
Hier wird mehr geboren als gestorben: Es gibt den höchsten Geburtenüberschuss.
Der durchschnittliche Sonnenberger wohnt schon 17,26 Jahre lang  in seinem Stadtteil. Und 70 Prozent wollen auf jeden Fall nicht umziehen. Wer von außen nach Chemnitz zieht, landet am häufigsten auf dem Sonnenberg. Für manche ist es ein Sprungbrett: Der Sonnenberg hat auch die höchste Wegzugsrate der Stadt. Wer sicher (15.1 %) oder möglicherweise (14,4 %) umziehen will, wechselt zu 32,5 % in ein anderes Viertel, 23,3 % wollen nur ein paar Straßen weiter ziehen. Gründe sind zu 46,4 %  die Größe, der baufällige oder nicht altengerechte Zustand der Wohnung, zu 34,3 % beruflich oder studienbedingt, zu 14,6 % die soziale Struktur und das Image.

So gefällt es ihnen
Zwei Drittel wohnt gern oder sehr gern hier. “Ungern” oder “sehr ungern” haben 8 % angekreuzt, eher Familien mit Kindern. Dabei hat der Sonnenberg ein Ost-West-Gefälle: Einem guten Freund würde man als Wohnort eher den östlichen Teil Richtung Heinrich-Schütz-Straße als den westlichen empfehlen. Geschätzt wird die zentrumsnahe Lage, die Verkehrsanbindung, die günstigen Mieten, die grüne und ruhige Lage der Wohnung. Wer ungern dort wohnt, gibt  als Gründe an: Soziales Umfeld, Schmutz, Hundekot, leerstehende Häuser, Kriminalität und Lärm.
Das Zusammenleben wird im Durchschnitt als eher gut bezeichnet. Über 70 % der Älteren kennt die Nachbarn näher.

Da gehen sie gern hin
Mit grünen und roten Kreuzen haben die Befragungsteilnehmer in einer Karte des Stadtteils je  drei Orte markiert, die sie gern aufsuchen, und je drei, die umgestaltet werden sollen. Am liebsten gehen sie ins Grüne – in Anlagen, den Zeisigwald, den eigenen Kleingarten. Rot markiert sind in der Auswertung quasi alle leer stehenden Häuser. Die Spitzenreiter werden verändert: die Zietenstraße soll durch Bäume verschönert werden (, Kasernen an der Heinrich-Schütz-Straße sind inzwischen abgerissen, Häuser an der der Sonnenstraße werden umgebaut. Der Lessingplatz wird “von Anwohnern geschätzt, von entfernt Wohnenden verachtet”, stellte das Befragungsteam fest. Die “Bazillenröhre” hat gleich viele grüne und rote Punkte.
Öffentliche Veranstaltungen besuchen nur 26,4 %. 45 davon nannten das Stadtteilfest, 30 die Markuskirche etwa für Konzerte. 39,7 % kennen das Bürgerzentrum, 50 % der über 66-Jährigen. Das Stadtteilmanagement finden 64,1 wichtig oder sehr wichtig, 28 % waren unentschieden oder hatten keine Meinung.
Zwei Drittel finden Engagement sehr wichtig. Aber nur knapp 10 % engagieren sich tatsächlich im Stadtteil, etwa bei der Volkssolidarität oder in der Gartensparte.

So informieren sie sich
Je ein Drittel etwa fühlt sich gut oder schlecht über den Stadtteil informiert oder weiß es nicht.  Hauptquelle ist das Amtblatt mit 221 von insgesamt 654 Nennungen, gefolgt vom “Sonnenberger” mit 124 Nennungen, die dazugehörige Website www.sonnenberg-chemnitz.de mit 71 Nennungen.  Das Sachsen-Fernsehen wird von 83 Befragten erwähnt.  www.sonnenberg-online.de kennen 42 Befragte.

Präsentation der Befragung .pdf

Warum ist die Befragung repräsentativ?
Soziologin Katja Schucknecht, die das Projekt betreut hat, gibt Auskunft:
Repräsentativ bedeutet zunächst, dass eine Stichprobe – in unserem Fall die durch das Chemnitzer Einwohnermeldeamt durch Zufall ermittelten 1500 BewohnerInnen (von uns wiederum per Zufall nochmals auf 1080 reduziert) –  ein “verkleinertes Abbild” der Grundgesamtheit (also aller etwa 14.000 SonnenbergerInnen) darstellen soll.
Durch die Ziehung dieser Zufallsstichprobe hatte theoretisch jede/r (gemeldete) BewohnerIn die gleiche Wahrscheinlichkeit, in die Stichprobe zu gelangen, so dass diese als repräsentativ zu bezeichnen ist.
Eine andere Frage ist die, welche der ausgewählten BewohnerInnen tatsächlich angetroffen wurden und bereit waren, als Befragte zur Verfügung zu stehen. Dort können zwar “systematische Verzerrungen” nicht ausgeschlossen werden. So hängt zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit, dass die InterviewerInnen im Haushalt jemanden zum Befragen antreffen oder nicht, systematisch mit Merkmalen wie Art der Berufstätigkeit, Alter oder Geschlecht zusammen.  Aber die von uns realisierte Stichprobe spricht dafür, dass auch sie die Grundgesamtheit gut abbildet. Denn weicht hinsichtlich der bekannten Eigenschaften der SonnenbergerInnen (die der Stadtteilstatistik entnehmbare Geschlechterverteilung, Altenquotient, Ausländeranteil…) nicht wesentlich von der Gesamtheit der BewohnerInnen des Sonnenbergs ab.
Letztendlich spielt auch der Stichprobenumfang eine gewisse Rolle, um zuverlässige Rückschlüsse auf die Grundgesamtheit zu ziehen. Die Anzahl der realisierten Interviews von 404 auf die Grundgesamtheit von 14.000 ist dabei als ausreichend einzuschätzen.

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