Die Eisengießerei Carl Ernst Seidel

Eisengießerei Seidel / Zenker, Augustusburger Str. 29-31, zwischen Jäger- und Augustusburger Str.

Die rasche Entwicklung des Maschinenbaus in der Mitte des 19. Jahrhunderts ließ den Bedarf an Gießereierzeugnissen beträchtlich anwachsen. Zu dessen Befriedigung entstanden in Chemnitz über ein Dutzend Grauguss-Gießerein. Und davon blieb auch der Sonnenberg nicht unberührt.

Eisengießerei Seidel um 1890

Eisengießerei Seidel um 1890

1852 gründete Carl Friedrich Zenker auf dem Sonnenberg eine kleine Tiegelgießerei. Das florierende Geschäft mit Gussteilen ließ ihn 1858 seine Gießerei auf einem bedeutend vergrößerten Grundstück in der Augustusburger Straße 27 / Ecke Zieschestraße verlegen.

Hier entstand in der Folgezeit ein Gießereikomplex auf Kupolofenbasis, in dem zur Jahrhundertwende über 200 Arbeiter 2.750 Tonnen Lehm-, Masse-, Schablonen- und Tiegelguss produzierten. Die bedeutendste Leistung war die Anlage einer gusseisernen Wasserleitung nach Augustusburg. Nach dem Tod des Firmengründers ging die Zenkersche Gießerei im Jahr 1905 in den Konkurs.

Eisengießerei

Eisengießerei

Am 15. September 1865 richtete Carl Ernst Seidel in bescheidenem Umfang mit drei Arbeitern in der Alten Dresdner Straße eine Tiegelgießerei ein. 1866 verlegte er das junge Unternehmen in die Augustusburger Straße 29. Es wurde zügig ausgebaut. 1905 erfolgte dann der Ankauf der gegenüberliegenden Zenkerschen Gießerei. Das neuformierte Unternehmen umfasste nunmehr die Grundstücke Augustusburger Straße 29/31 und 44. In den beiden Gießereianlagen, die 1893 in eine GmbH umgewandelt wurden, produzierten 280 Arbeiter insgesamt 5.500 t Guss pro Jahr. Insbesondere Gussteile für den Maschinenbau und das Bauwesen wurden hergestellt.

Die ständige Zunahme der Bebauung des Sonnenbergs und die Nähe der Wohnquartiere zur Gießerei waren auf die Dauer nicht erträglich. Eine Erweiterung der prosperierenden Gießerei war deshalb nur auf extensiven Weg möglich, und der erfolgte durch einen Neubau auf der Altchemnitzer Flur an der Scheffelstraße.

Standort Augustusburger Str. heute

Standort Augustusburger Str. heute

Nach einer Periode unterschiedlicher Nutzungen der ehemaligen Betriebsgebäude durch verschiedene Firmen erfolgte in den Jahren 1928/29 ein völliger Abriss der Industriebauten.

An deren Stelle wurde ein großes Kino „Lichtburg“ mit 1.200 Plätzen errichtet. Das sich anschließendes Gebäude entstand in der Augustusburger Str. 31 als ein Haus für die Gewerkschaften, welches noch durch diese bis in die 90er Jahre genutzt wurde.

Das Kino „Lichtburg“ wurde durch den Bombenangriff am 5. März 1945 völlig zerstört. Verbliebene Reste des Besuchersaals sind noch im Hof des Gebäudes Augustusburger Str. 29 erkennbar.

Gießerei in der Lessingstraße

Ein anderer Gießereistandort befand sich in der Lessingstraße 18-26. Er umfasste ein Terrain von 4.000 m². Gegründet wurde die Firma am 1. Oktober 1892 vom Ingenieur Carl Paul Dietrich und dem Techniker Ernst Richard Göhler. Beste Qualität der Gusserzeugnisse und Lieferzuverlässigkeit waren bestimmende Kriterien für die Firma. Das Produktionsleistungsprofil betrug bearbeitete Gussstücke bis zu 15 Tonnen. Dafür verfügte eine Gießerei über 15 Formmaschinen, darunter zwei Riesenformmaschinen bis zu 1.000 mm Durchmesser, Krane mit 49 t Tragkraft, zwei Gebläse für 6 t Schmelzungen pro Stunde und diverse Putzeranlagen. Obwohl die Gießerei im 2. Weltkrieg schwere Bombenschäden erlitt und viele Gebäude vernichtet waren, soll sie bis 1957 produziert haben.

Seit der Löschung des Gießereistandortes Lessingstraße nutzt die Dampfwäscherei Nachtigal die Gebäude bis in die Gegenwart.

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