50 Jahre Atelier 8-80

Heute ist der 1. Oktober 2013, ein für mich bedeutungsschwangerer Tag. Heute vor 50 Jahren unterschrieb Hermann Gabler, Maler und Grafiker aus unserer Stadt, den Vertrag zur Gründung und Leitung des Förderzirkels Malerei-Grafik, aus dem unser heutiger Verein hervorgegangen ist.

50 Jahre – von den Gründungsmitgliedern ist heute leider keiner mehr dabei. Jochen Walter, Horst Schieke und Rosemarie Gläser waren wohl die ersten, die unmittelbar nach der Gründung dazustießen,
dann etwas später auch ich, Siegfried Wachter, Brigitte Nicolai, Freya Reichhold, Manfred Stahn, Harry Schwabe, Edeltraud Hösel, Ingrid Burghoff um nur einige zu nennen.

Unser Gründer, Hermann Gabler – der Maler und Grafiker, vor allem aber Förderer jeglicher bildkünstlerischer Talente, wäre im Juni dieses Jahres 100 Jahre alt geworden. Dankbar gedenken wir seiner.
Ditte Koch, Kunstwissenschaftlerin schrieb anlässlich seines 70. Geburtstages: „Wie oft werden in Katalogen und Biografien bekannter Künstler die bedeutenden Lehrer und Dozenten genannt. Doch wer nennt jene, die die Grundlage dafür schufen, die das Interesse an der Kunst weckten und die die ersten Schritte auf künstlerischen Gebiet begleiteten ?
Nicht wenige Kollegen der verschiedenen Sektionen des Bezirksverbandesdes VBK gingen jene ersten Schritte unter der behutsamen Leitung Hermann Gablers“.
1963 – war er Delegierter zur Kulturkonferenz in Bitterfeld, die den Weg des Bildnerischen Volksschaffens bedeutende Impulse verlieh.

Geprägt wurde hier der Begriff „Bitterfelder Weg“. Diese Ideen machte er voll und ganz zu seiner Sache.

Ganz im Sinne, wie es Lea Grundig im Vorwort des Buches „Bildnerisches Volkskunstschaffen in der DDR“ schreibt:
„Wir wollen, daß alle Kunst dem Volke gehört, seine Gedanken und Gefühle, seine Probleme und Hoffnungen ausdrückt und nicht das Vorrecht einer kleinen Schicht ist, ein Objekt des Kunstmarktes, selbst Ware in der Warengesellschaft“.
Aus meiner Sicht ging es darum, Kunst und Kultur den einfachen, arbeitenden Menschen mit oft kulturferner Bildung nahe zu bringen, Talente zu erkennen und früh zu fördern, damit keines verschüttet werde oder verloren gehe. Und das unabhängig vom Geldbeutel der Eltern oder der betreffenden Personen, kostenlos. Mein Wunsch auch heute noch !

Hermann Gabler gründete als Ergebnis der Bitterfelder Konferenz den Förderzirkel für Malerei und Grafik, einen der ersten in der DDR, den späteren Mal-und Grafikzirkel „Roter Turm“. Gezielt ausgewählte begabte bildnerisch tätige Amateure, unabhängig von ihren jeweiligen Beruf, fanden hier zusammen. Neben der individuellen, künstlerischen Weiterbildung stand hier eine gemeinsame Aufgabe im Vordergrund, die Gestaltung einer Grafikmappe zur Geschichte unserer Stadt.
Der genaue Titel ist mir nicht mehr bekannt, ich selbst war hier leider noch nicht dabei. Mit diesen Arbeiten war der Förderzirkel erfolgreich zu den Arbeiterfestspielen in Dresden, 1967 vertreten.
Es gab einen Preis, Goldmedaille, Kulturpreis o.ä. Das damit verbundene Geld wurde für eine Studienreise mit den Ehepartnern nach Polen genutzt. Breslau und Katovice sind mir noch bildlich in Erinnerung. Nachtfahrt mit dem Zug, Ankunft am Morgen, Stadtrundfahrt und Besuch im Planetarium.

In den folgenden Jahren entstanden zwei weitere Grafikmappen, die unsere „Neue Stadt“ zum Thema hatten. Auch machte so mancher der Mitglieder von sich reden und war zu zentralen Ausstellungen erfolgreich vertreten. Später selbstständig tätig, hatten sich viele hier ihr Rüstzeug für das künstlerische eigenständige Tun geholt. Um einige Namen zu nennen, waren es in der Anfangszeit
– Dieter Netzker – später freischaffender Gebrauchsgrafiker und bekannt durch viele schöne Plakate für die Städtischen Museen.
– Manfred Lorenz – später als freischaffender Keramiker tätig.
– Günter Brabant – später freischaffender Gebrauchsgrafiker.
– Manfred Heßmann – später Leiter der Volkskunstschule in Oederan.
Viele Weitere erwarben in diesem Zirkel die Grundlage für ihre künstlerische Arbeit und waren erfolgreich zu den zentralen Ausstellungen vertreten, wie:
Joachim Walter, Horst Schieke, Freya Reichhold, Manfred Stahn, Brigitte Dietrich, Brigitte Nicolai…….
Alles in allem eine Erfolgsstory aus meiner Sicht.
Auch ich verdanke ihm neben meiner soliden beruflichen Grundausbildung als Gebrauchswerber eine hervorragende spezielle
Ausbildung auf künstlerischen Gebiet und auch das Bedürfnis, dieses erworbene Wissen an andere weiter zu geben, solange es mir meine Kraft erlaubte.
Neben der Arbeit im Zirkel nahmen fast alle von uns an Bezirkslehrgängen teil.
Das waren organisierte Wochenlehrgänge unter der Leitung bekannter Künstler aus unserem Bezirk, wie z.B.
Carl-Heinz Westenburger, Michael Morgner, Klaus Neubauer, Jürgen Adler, Günter Hofmann,von der Ostseeküste Matthias Wegehaupt und vielen anderen zu speziellen, künstlerischen Techniken, wie Radierung, Lithografie, Siebdruck, Mischtechnik, Materialcollage …….. Es waren Lehrgänge mit hohem Anspruch an die Teilnehmer.
Unterwegs waren wir u.a. im Erzgebirge, im Naturschutzgebiet, zwischen Tannenberg und Dörfel. Wir waren rund um Johanngeorgenstadt im Forst, bei Waldarbeitern und Köhlern.
Hier überraschte uns der Forstbetrieb zum Wochenabschluss mit traditioneller Werkstatt-Ausstellung
mit einen Rehbock zum Abschlussessen. Erlebnisträchtig waren auch die Tage bei den Fischern
in Warte auf Usedom, welche uns drei fangfrische Prachtstücke von Hecht, Zander und Blei als Malmotiv und dem späteren Abendessen spendierten.
Gemeinsamer Höhepunkt hier, ein Tag im Atelier bei Niemeyer-Hollstein, dem jeder von uns zwei vor Ort entstandene Arbeiten zur Beurteilung vorlegen durfte.

Es wurde viel gefordert, mit täglichen Auswertungen der Arbeiten im Beisein aller Teilnehmer. So lernte auch jeder von jedem.
Zu Hause wurde weiter daran gearbeitet und nach zwei bis drei Monaten die Ergebnisse erneut vorgestellt.
Stille Hoffnung für jeden, mit einer der entstandenen Arbeiten bei der nächsten Bezirks- oder Zentralen Ausstellung vertreten zu sein. Unserem Manfred Stahn war das mit seiner Grafik „Der große Fang“, gelungen, zu den Arbeiterfestspielen gab es dafür eine Goldmedaille. Offizielles Ziel des Zirkels war es, alle Teilnehmer zu befähigen, selbst einmal anleitend tätig zu sein, oder bereits künstlerische Leiter weiter zu bilden.
Wir wurden hervorragend gefördert, aber auch viel von uns gefordert. Noch heute bin ich dankbar für all diese Möglichkeiten.

1969 wurde uns nach einer schwierigen Zeit, unseren Arbeitsraum betreffend, Rote Turm als Atelier zugesprochen. Junges Leben hielt Einzug in eines der ältesten Gemäuer unserer Stadt, einmalig in seiner bewegten Geschichte.

Ein großer Höhepunkt der gemeinsamen künstlerischen Arbeit im Roten Turm war die Gestaltung eines Wandbildes für den Speisesaal des Naturheilsanatorium Antonshöhe. Das Thema war uns freigestellt und so wählten wir „Die vier Jahreszeiten im Erzgebirge“. Diese Gemeinschaftsleistung war eine spannungsvolle tolle Zeit.
Es sollte modern sein – irgendwie etwas ganz Neues – neue Materialien – wir experimentierten – waren begeistert und verwarfen.
Wir wollten sooooo viel. Mehr als wir überhaupt konnten. Thema finden – Inhalt festlegen – Technik auswählen? Was sollte es werden? Materialcollage oder doch Malerei? Der Fantasie war keine Grenze gesetzt.
Hermann Gabler musste uns immer wieder auf den Boden der Realität zurückholen. Hatte er doch gerade selbst die schöne Wandmalerei im Gewürzladen auf den Brühl gestaltet und somit eigene, ganz aktuelle Erfahrungen gemacht.
Gemeinsam haben wir es geschafft.
Es wurde eine Arbeit in Mischtechnik, vorwiegend Acryl. Jochen, Manfred und Horst haben gemeinsam die Montagewände im oberen großen Atelierraum vom Roten Turm bemalt, wir, die Übrigen, mehr oder weniger nützliche Hinweise aus dem Hintergrund beigesteuert. Schade, beide Arbeiten, Hermans Gewürzladen und unser Wandbild haben die Wende nicht überstanden.
Und Fotos gibt es leider auch nicht, oder doch ?

Ich denke zu gern an viele schöne Begegnungen, in der der Rote Turm nahezu 20 Jahre unser Atelier war. Wo aus einem, von Hermann gegründeten „Förderzirkel“ in der Zwischenzeit fünf Zirkel ihr Zuhause gefunden hatten.
Dank damaliger Sponsoren, wie die Stadt, den Städtischen Museen, und der Ermafa konnte in den frühen 70ern aus dem alten Gemäuer ein Atelier für jung und alt geschaffen werden, in dem sich wöchentlich zwischen 60 und 80 Personen von 8 bis 80 und mehr Jahren, zu gemeinsamer künstlerischer Arbeit oder interessanten Gesprächen trafen.
Montags der Jugendzirkel, dienstags der Malzirkel der Ermafa, mittwochs zwei Kindergruppen von 8-12 und von 12-16 Jahren, donnerstags der „Mal-und Grafikzirkel Roter Turm“.
Angeleitet von Hermann Gabler, Joachim Walter, Brigitte Dietrich, Steffen Morgenstern, Harry Schwabe und von mir, Renate Rieß, alles Mitglieder der Fördergruppe.
Freitags war offen für individuelle künstlerische Arbeit, sonnabends und sonntags gab es bezirksweit Weiterbildung für Malerei/Grafik, Schnitzen/Holzgestaltung, Textilgestaltung oder Klöppeln, beraten oder angeleitet von Künstlern wie Carl-Heinz Westenburger, Michael Morgner, Klaus Neubauer, Änne Naumann, Christa Bachmann u.v.a.
Kein Tag, an dem der alte Turm nicht mit Leben erfüllt war und wir, trotz allem die zulässige Sicherheitszahl, die auch heute noch gilt, von teilnehmender 12 Personen möglichst nicht überschritten.
Ab und zu veranstalteten wir einen Tag der offenen Tür, mit Gruppenführungen, der großen Zuspruch erfuhr.

Für viele junge Menschen war es der Ort sinnvoller Freizeitbeschäftigung und erster Begegnung mit der bildenden Kunst. Und viele fanden im nachhinein den Weg zum Kunststudium an die Hochschulen in Dresden und Leipzig oder zur Fachschule in Weißensee, Schneeberg oder Halle.

Joachim Walter lud ein zu Kunstgesprächen mit Werktätigen aus der Ermafa und brachte so vielen Besuchern, die sonst wenig Zugang dazu hatten, Bildende Kunst auf sympathische Art nahe.

Es gab schöne Sommerfeste in Gablers Garten, am Haus in Glösa, mit, wie man heute sagen würde, kleinen Kulturevents.
Es gab tolle privat organisierte Reisen, immer natürlich um zusammen zu malen, aber auch zu feiern, sogenannte Mal-Wochenenden und das vorwiegend mit Partner.
Auch ich war stolz, dieser Gemeinschaft angehören zu dürfen und diesen Zirkel nach gesundheitlichen Ausscheiden von Hermann Gabler selbst organisatorisch leiten zu können und halbwegs heil durch die Wende gebracht und in einen eingetragenen Verein zu führen.
Schön, die Stunden der Gemeinsamkeit mit Gleichgesinnten, schön, die Begeisterung der Kinder und ihre Freude über jedes gelungene Bild, jede kleine erarbeitete Grafik.
Schön zu sehen, hier wachsen künstlerisch interessierte Menschen, oder sogar künstlerischer Nachwuchs heran.

Mit der Wende kam das große Bangen um unseren Turm, aber auch die Hoffnung auf Restaurierung. Weg mit den Waschschüsseln unterm undichten Dach, vielleicht neue Fenster, eine neue Heizung oder gar ein eigenes WC ?
Der alte Turm – das älteste Gebäude unserer Stadt, marode zwar, aber voller Leben.
Auch künftig ein Ort der Begegnung, vielleicht eine ständige kleine Ausstellung, mit kleiner Druckwerkstatt, Vorführung und Verkauf, mit festen Öffnungszeiten für Besucher, die auch einen Tee oder Kaffee bekommen könnten und und und……..

Erster vielversprechender Ehrengast aus dem Westen war Willy Brandt, vor seiner ersten großen Rede am Marx-Monument in unserer Stadt. Bei einem Kaffee, meine Häppchen hat er vermutlich aus Sicherheitsgründen übersehen, stellten wir, Jochen, Harry und ich unser Volkskunstatelier, wie wir es gern nannten, vor.

Er fand diesen alten lebendigen Turm beispielhaft, unsere Ideen ganz toll, unbedingt förderungswürdig und versprach, sich persönlich dafür zu verwenden.
Versprachs, aber leider konnten wir uns, als wir dessen bedurften, nicht mehr auf ihn berufen, er hatte uns und diese Welt verlassen.
Und so vergingen keine vier Monate und diese einmalige, lebendige, kulturvolle gewachsene Gemeinschaft wurde von der Leitung der Städtischen Museen, bis dato Träger der Einrichtung aufgefordert, bis zum 14.02.91 den Turm zu räumen.
Das war unser Weihnachtsgeschenk 1990. Der damalige Bürgermeister hatte eine Vision:
Der Turm sollte Heimatmuseum werden. Heimatmuseum – war er schon einmal, erfolglos – bevor wir ihn bekamen. Wer steigt schon über 100 Stufen hoch, um nichts zu sehen als Fenster und Mauern.Der schöne alte Turm, statt sinnvoll in die Innenstadtgestaltung einbezogen, seit über 20 Jahren ungenutzt ausgegrenzt, wie abgestellt im Hinterhof der Turmpassage, die ihm ihren Namen verdankt.

Wir waren verzweifelt, nahmen mit was uns lieb und wert war und zogen von dannen.
Zogen von einem Ort zum anderen, nirgendwo mehr so zu Hause wie in diesem alten Turm.
Schade – viel Trauer – zu viel Schmerz liegt bei mir noch immer obenauf,
trotz vergangener 23 Jahre.

Aber vielleicht halte ich mich doch an die Worte unseres leider verstorbenen Malfreundes Harry Schwalbe: „Lasst uns nicht trauern um das was wir verloren haben – lasst uns dankbar sein für das, was wir nahezu 20 Jahre hatten“.

Wir fanden Aufnahme im „Leimtopf“ Bernsdorf, einer Begegnungsstätte des DRK, im Dachgeschoss. Richteten uns häuslich in den oberen Kämmerchen mit Miniküche
ein und fanden hier, wenn auch beengt, Platz für insgesamt fünf Gruppen, davon zwei Kinderzirkel.
Die Nachfrage an Teilnahme war größer als der zur Verfügung stehende Raum.

Wir wurden Gründungsmitglied im Verein „Leimtopf“ und dann 1996 , bei einem der jährlichen Projekt-Tage, damals in Hennersdorf, gründeten wir unseren eigenen heutigen Verein, „Atelier 8-80“e.V. Ausgangspunkt für den Namen war der Anlass, dass die Jüngsten 8 Jahre alt und Johanna, unsere Seniorin, gerade den 80. Geburtstag feierte.

Unterstützung erfuhren wir durch das Kulturamt mit einer ABM-Stelle und als diese auslief wurden uns adäquat dazu Fördermittel zugesichert. Neben der Arbeit folgten viele schöne, kleine Ausstellungen, wofür wir das gesamte Haus nutzen konnten, als Rechenschaftslegung für unsere übers Jahr geleistete Arbeit. Immer eine schöne Begegnung mit Kollegen, Familie und Freunden, bei Imbiss, Musik und Gespräch.

Die Fotoalben erinnern noch immer liebevoll daran.

Als alles gerade mal wieder so richtig toll lief, musste das Haus wegen Baufälligkeit aufgegeben werden. Das DRK zog in eine neue Begegnungsstätte ohne Platz für uns.
Aber wir haben dort die künstlerische Ausgestaltung mit Bildern organisiert, mit Wechselausstellung einzelner Zirkelmitglieder. So stellten sich u.a. unsere Annerose Dörffel, Johanna Nenning, Fritz Meier, Georg Planck, Elfriede Beckert, Johanna Schramm, Helga Gaertner, Erika Wein und Siegrid Klemm vor. Immer verbunden mit einer kleinen Vernissage, bei Kaffee und Kuchen.
Dazu ein kleines Plakat und entsprechende Einladungen. Eine feine, inspirierende Herausforderung für alle Mitglieder, die sich so einmal solo vorstellen konnten.

Mit einigem Aufwand verbunden, aber für unseren Verein eine erfreuliche Aktivität als sinnvolle Öffentlichkeitsarbeit. Interessant auch für die Besucher der Begegnungsstätte, zu sehen, was ältere Menschen alles sinnvolles noch so schaffen können, wenn sie dafür das richtige Umfeld gefunden haben. Und das haben sie bei uns, in unserem Verein.

Hier brachte sich Fritz Meier aktiv ein, der den regelmäßigen Ausstellungswechsel übernahm. Allerdings wurden bei jedem Ausstellungswechsel unsere preiswerten Glas-Grafikrahmen immer unstabiler und neue, solide Wechselrahmen konnten wir uns leider nicht leisten.
So blieb uns nichts anderes übrig, als dieses Projekt aufzugeben. Wir installierten eine Abschlussausstellung, für welche jedes Vereinsmitglied eine Arbeit zur Verfügung stellte, die wir dann 2006 der Begegnungsstätte des DRK als Geschenk übergaben.

Über viele Jahre hat uns die Journalistin Johanna Hauswald mit liebevollen informativen Beiträgen in der „Freien Presse“ begleitet. Dafür danke ich ihr und stelle fest, dass es mehr als still um uns geworden ist, seit sie aus der aktiven Pressearbeit ausgeschieden ist.

Für 12 Jahre hatten wir dann ein neue Heimstatt gefunden, fühlten uns im Bahnhof Siegmar „Gleis 1“ sehr wohl, aber dieses einmalige lebendige Ganze, was das Leben im alten Turm, dann auch noch im „Leimtopf“ ausmachte, konnten wir nicht mehr nachvollziehen.
Neue kamen hinzu, viele blieben weg, vor allem die Kinder, die im Zentrum der Stadt sowie auch noch in in Bernsdorf einen idealen Anlaufpunkt hatten.

Seit unserer Vereinsgündung haben wir jährlich zu einem stadtbezogenen Projekt gearbeitet und die Ergebnisse in Form einer Ausstellung vorgestellt. Hier nur einige der Arbeitsthemen:
„Unsere schöne neue Stadt“
„Rund um Chemnitz“
„Schlösser und Burgen um Chemnitz“
„Chemnitzer Entdeckungen im Tierpark“
„Der Chemnitzfluss von Anfang bis Ende“
„Mein Bild von Chemnitz“.
Aber leider mussten wir bald erkennen, dass wir im Bahnhof Siegmar, „Gleis 1“ , in zwar zwei schönen Atelier-Räumen und angenehmen, von uns zu entsprechenden Anlässen nutzbaren Versammlungsräumen, sowie der schönen Ausstellungsmöglichkeit im großen
Flur, auf den Abstellgleis gelandet waren.

Weit und breit kein Wohngebiet und somit vor allem auch keine Kinder. Heute nun sind wir nur noch ein bescheidener Rest von 15 Vereinsmitgliedern, die aber immer noch versuchen ganz aus eigener Kraft, mit ihren äußerst bescheidenen Mitteln den Verein am Laufen zu halten.
Eigentlich hätten wir in diesem Jahr, im Oktober, Dank Hermann Gabler, 50jähriges Bestehen feiern können.
Feiern ? – gibt es dafür noch einen Grund ? Stilles Gedenken ist wohl die bessere Variante.
Zum Feiern ist es uns nicht, zu viel Ungereimtes kommt damit hoch, aber zumindest dessen zu gedenken sei mir erlaubt.

Mit einem Schreiben vom 06.05.2011 hat die Stadt unseren Verein „Atelier 8-80“ als nicht mehr förderungswürdig eingestuft, und hat uns fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel,
nachdem sie uns aus dem erfolgreichen Leben im Zentrum an die Peripherie entsorgt hatte.
Nun hoffe ich, dass es uns hier auf den Sonnenberg gelingt, uns wieder zurück ins Leben zu kämpfen

Noch gibt es uns und schöne gemeinsame Projekt-Tage im August im Naturschutzzentrum in Dörfel, liegen hinter uns.
Den Rücken frei von häuslichen Problemen, vier Tage gemeinsam malen, reden, sich gegenseitig über die Schulter schauen, um abschließend über die entstandenen Arbeiten zu sprechen. Interessant zu sehen, was jeder so gemacht hat.
Wir waren wie immer nicht allein unterwegs, Ehepartner, bereits erwachsene Kinder und Freunde waren mit von der Partie.

Es war wie immer wieder eine schöne Zeit der Gemeinsamkeit, die uns Hoffnung und Mut machen sollte. Denn – Rettungsschirme gibt es nur für Banken, das wissen wir heute, nicht für uns.
Für uns bleibt vielleicht eine IKEA-Bank für unsere Vortreppe, aber auch die müssten wir selbst finanzieren. Aus humanitären Gründen hätte man uns ja wenigstens noch eine
Abwrackprämie zugestehen können – aber – vielleicht kommt die ja noch?

Dass unser Vereinsleben noch immer, wenn auch bescheiden funktioniert, ist den drei Malfreundinnen von der Vereinsleitung geschuldet.
Dankeschön an unsere Vorsitzenden Ingrid Burghoff, die sich aufopferungsvoll kümmert, wie ebenso unserer Stellvertreterin Ursula Lasch und unserer Gislinde Schlegel, die mit unseren tollen Finanzen hat lernen müssen zu zaubern.
Dank vor allem aber den Leitern der beiden Gruppen, die sich ohne Honorar, bei einer äußerst bescheidenen Aufwandsentschädigung nach wie vor kümmern.
Brigitte Nicolai um die „Montagsmaler“ und Hans-Jürgen Ebert um unsere Donnerstagsgruppe, „Mal-Zeit“.

Aber wir haben wieder einmal ein neues Zuhause gefunden, hier im Bürgertreff auf dem Sonnenberg und das, so denke ich, nicht auf dem Abstellgleis, sondern mitten im Leben. Denn hier wohnen Menschen, dicht bei dicht und vielleicht findet der eine oder andere sogar zu uns ? Es müssten auch nicht unbedingt Rentner sein !

Zwar sind wir nun voll und ganz auf uns allein gestellt und somit auch Schmied unseres eigenen Glücks, aber vielleicht sehen wir auch das als Chance, uneingeschränkt, ohne etwas beweisen zu müssen, arbeiten zu können, ohne Rechenschaftslegung über unsere Arbeit, Ideen zu Papier zu bringen und uns zu verwirklichen, ohne Dankeschön sagen zu müssen.

Aber irgendwie fehlt da eben doch der gewisse Kick – die Herausforderung, um den inneren Schweinehund zu besiegen.Termine zu haben, die uns forden und somit auch fördern.

Eine Herausforderung allerdings steht an, eine Ausstellung in der Galerie im Wohnmeisterhaus der Firma Hösel,
im kommenden März in Limbach-Oberfrohna. Eine Galerie mit hohem, künstlerischen Anspruch. Gemeinschaftsausstellung im kommenden Jahr, die von uns Arbeiten in höchster Qualität fordert. Hier können wir beweisen, was zu leisten wir noch in der Lage sind.

So wünsche ich uns für die nächsten Jahre in unserem neuen Zuhause Gesundheit für alle und viel Freude an der gemeinsamen Arbeit.

Renate Rieß

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