Louis Neubauer

Louis Neubauer, Heinrich-Schütz-Str. 50, Areal Beethoven-, Paul-Gerhardt-Str., Heinrich-Schütz- und Hofer Str.

Wo heute ein Küchenmarkt die große Fertigungshalle des einstigen Großbetriebes VEB Lagertechnik an der Ecke Hoferstr. / Heinrich-Schütz-Straße nutzt, wurden noch vor ca. 25 Jahren große Anlagen für verschiedene Krane und Lagermodule gebaut.

Werbeprospekt nach 1905

Werbeprospekt nach 1905

Der eigentliche Ursprung geht allerdings auf das Jahr 1884 zurück, als der Kaufmann Ernst Louis Neubauer seine eigene Firma in der Schlossstraße gründete. Mit der Fertigung von Gelenkketten und Kettenrädern begann das Unternehmen seine Entwicklung. Bereits am 1900 baute man Kleinhebezeuge und die ersten größeren Kran- und Aufzugsanlagen und musste sich erweitern.

Darum errichtete die Firma im Jahr 1903 einen Fabrikneubau an der Planitzstraße 50 (heute Heinrich-Schütz-Straße). Über 130 Arbeiter und Beamte konnten beschäftigt werden. In kurzer Zeit erarbeitete sich der Betrieb einen international bekannten Namen und lieferte seine Produkte ins Ausland bis nach Übersee.

Der betriebliche Grundsatz: „Die Stabilität des Unternehmens beruht auf den drei Füßen von Kränen, Aufzügen und Ketten“ half der Firma durch wirtschaftliche Krisen hindurch. Je nach Marksituation wurden Aufzüge und Kräne hergestellt, während die Kettenproduktion immer etwa 20 Prozent des Anteiles betrug.

So wurden in der Zeit der Weltwirtschaftskrise 1928/29 auch Kettenkarussells oder andere Industriegüter gefertigt.

Für das ehemalige Sparkassengebäude am Falkeplatz wurden im Jahr 1930 sämtliche Aufzüge hergestellt.

Bei den schweren Bombenangriffen im März 1945 auf Chemnitz wurde der Betrieb zu 90 Prozent zerstört. Dennoch konnte der Betrieb den schweren Neuanfang meistern und stellte unter der Bezeichnung „Louis Neubauer KG“ wieder Aufzüge und Kräne her.

Hofansicht der Betriebsreste

Hofansicht der Betriebsreste

Nach der schrittweisen Verstaatlichung von privaten Unternehmen wurde ab 1972 als „VEB Lagertechnik Karl-Marx-Stadt“ weiter produziert. In den Jahren 1975 bis 1989 baute man neue Produktions- und Montagehallen an der Leninstraße 50 (heute Heinrich-Schütz-Straße) und an der Beethovenstraße, weil es großen Bedarf an Regal-Bedientechnik, Stapel-, Hänge- und Brückenkränen gab. Die Firma wurde zugleich zum Alleinhersteller für diese Technik in Osteuropa und hatte einen sicheren Absatzmarkt.

Mit den Jahren der politischen Wende 1989 /90 und der Einführung der D-Mark gingen diese Märkte verloren und der Betrieb schrumpfte gewaltig. Teile des Betriebsgeländes wurden verkauft (Eurocon-Stahlbau) bzw. stehen leer. Nur in einem Teil des ehemaligen Betriebes entlang der Beethovenstraße werden gegenwärtig noch bescheidene Stahlbauten produziert.

Standort heute Heinrich-Schütz-Str.

Standort heute Heinrich-Schütz-Str.

2 comments

  • Dee (2 Monaten)

    Über 130 Arbeiter und Beamte konnten beschäftigt werden.
    Beamte vielleicht nicht, aber Angestellte, 😉

    • Sonnenberg-Webmaster (2 Monaten)

      Früher nannte man auch Firmenmitarbeiter Beamte, soweit ich weiß.

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