Industriestandort Tschaikowskistr. 20-24

J. G. Leistner – Spezialgeschäft für Haus- und Kücheneinrichtung

Der gebürtige Vogtländer Johann Georg Leistner hatte in seiner Heimat das Nadlerhandwerk erlernt und wanderte 1833 in Chemnitz ein. Nach viereinhalbjähriger Tätigkeit als Geselle und später als Werkführer ging der zum Obermeister der Innung Gewählte dann am 11. Juni 1837 in die Selbständigkeit. Doch die Konkurrenz im Gewerbe zwang ihn bald, nach einer neuen Betätigung Ausschau zu halten. Und so stellte er schrittweise sein Geschäft, das damals noch im Stadtzentrum in der Inneren Johannisstraße und später auch in der Herrenstraße lokalisiert war, auf den Handel mit Kurz-, Galanterie- und Spielwaren um.

Ansicht von der Amalienstr./ heute Tschaikowskistr.

Ansicht von der Amalienstr./ heute Tschaikowskistr.

1862 wurde die Firma handelsgerichtlich eingetragen. Für das Stadtgeschäft und die Versandabteilung mit ihren Lagerräumen und einer Ausstellungsfläche von 200 m² wurde 1902 ein Neubau in der Inneren Johannisstraße errichtet.

Doch die aufstrebende industrielle Entwicklung im Allgemeinen und die erfolgreiche Geschäftsentwicklung im Besonderen zwangen zur Expansion außerhalb der engen Stadtgrenzen. Und dafür kam der damals noch unbebaute Sonnenberg in Frage. Das sich ausweitende Geschäftsvolumen erforderte zwingend die Einrichtung eines eigenständigen Fertigungsbereiches.

Vor Abbruch der Restgebäude

Vor Abbruch der Restgebäude

Dafür wurde auf einem Areal zwischen Sonnen- und Jakobstraße, längs der Amalienstraße 20/24 (heute Tschaikowskistraße) ein „Spezialhaus für Küchen-, Haus- und Wirtschaftseinrichtungen“ errichtet. In dem gut florierenden Objekt waren 400 Arbeiter beschäftigt. Der Platz wurde immer enger, das erforderte 1890 die Verlagerung des Sägewerkes und des umfangreichen Holzlagers nach Hennersdorf.

Nach dem Tode des Firmengründers im April 1880 führten seine Söhne das Unternehmen erfolgreich weiter. Bei den alliierten Luftangriffen auf Chemnitz im März 1945 wurden die Betriebsanlagen erheblich zerstört.

Nach Wiederaufbauanstrengungen in den Nachkriegsjahren wurden von der Firma Co KG Karl Leistner in bescheidenem Umfang Klein-Küchenmöbel hergestellt. 1972 verstaatlicht, stellte der Betrieb bis zu seiner Liquidierung 1990/1991 Spezial-Kleinmöbel her. Danach wurden die Räumlichkeiten teilweise vermietet, doch in den letzten Jahren verfiel das Areal immer mehr.

Abbruchgelände

Abbruchgelände

2015 wurden die Gebäude nun abgerissen, und es wird an dieser Stelle ein Netto- Einkaufsmarkt entstehen.

 

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