Hab’ ich Euch schon erzählt … wie es mir neulich, wieder mal, so richtig mies ging? – Erfahrungsberichte aus dem Projekt der “Selbsthilfe 91”.

„Zweite Chance – Nachbetreuung von ehemals wohnungslosen Menschen“ ist der Titel eines Angebots des Vereins Selbsthilfe 91. Es dient der Stärkung des Lern- und Sozialverhaltens von sozial benachteiligter Bewohnerschaft des entsprechenden Fördergeietes. Dabei geht es besonders um das Thema Wohnen mit solchen Schwerpunkten wie Rechte und Pflichten, Haushaltsführung, Finanzen, Schulden/Leistungsbezug, Sicherung des Lebensunterhaltes, Erhalt des Wohnraumes usw.

Gegenwärtig bis 30. Juni befristet, konnte durch die Förderung ein Angebot sozialpädagogischer Beratung und Begleitung zur Verbesserung der Integrationsfähigkeit und zum schrittweisen Abbau von Benachteiligungen durch Vermittlung von Problemlösestrategien geschaffen werden.

Hier sind zwei Beispiele, wie Teilnehmende am Projekt das Angebot erlebten:


Wieso? Na ich wollte etwas von dem wenigen Geld, das ich habe, abheben, aber das ging nicht. Was für ‘ne uncoole Sache! Eigentlich hätte ich ja nur die Bank anrufen und denen Druck machen müssen, ist schließlich mein Geld.

Aber die Handykarte war leer und um sie aufzuladen…siehe oben. Ich geb’ ja zu, so richtig hab ich mich um meine Verpflichtungen auch nicht immer gekümmert, aber dass Miete und Strom abgebucht werden sollten, das ging mir dann schon auch durch den Kopf.

Moment, da hatte ich doch irgendwo mal so ‘nen Flyer mitgenommen. Die Pinnwand im Flur, richtig, da hing er noch. Das Ganze sah aus wie eine Art Klingelschild und „Wir sind für Sie da!“ stand da vorne drauf. Woher kennen die mich? Ach so, nee, ist klar, da bezieht sich ja auf alle. Jedenfalls wusste ich mit der fehlenden Kohle nicht weiter und beschloss, mal dorthin zu gehen. Peterstraße 1, war ja nicht weit.

Nicht weit, aber hoch. Bis in die 4. Etage musste ich. Dort wurde ich aber freundlich begrüßt und gefragt, warum ich hierher komme. Ein paar Formalitäten waren zu erledigen, aber das war für mich kein Problem. Hauptsache, die könnten mir irgendwie helfen.

Ob eine Pfändung auf meinem Konto liege, wurde ich gefragt. Hm, keine Ahnung. Ich erfuhr, dass bei einer Pfändung das gesamte Guthaben eingefroren ist und an die Gläubiger überwiesen wird, wenn ich nicht schnell genug reagiere. Und ob ich ein geschütztes P-Konto habe, werde ich noch gefragt. Wie heißt das? Hatte ich natürlich nicht.

Von dort konnte ich aber auch die Bank anrufen und die sagten mir, dass wirklich eine Pfändung auf dem Konto war. Na toll, wer macht denn sowas? Für so ein P-Konto musste mir erst ein Formular zugeschickt werden und ich musste noch einen formlosen Antrag schreiben. Zum Glück konnte alles gleich per Mail zur Peterstraße geschickt werden.

Am nächsten Tag war ich wieder dort. Die Unterlagen waren da. Die Beraterin half mir beim Schreiben und beim Ausfüllen des Formulars und alles wurde zur Bank geschickt.

Dann stand ein Wochenende ohne Geld bevor. Zum Glück hatte mein Nachbar was Essbares da. Am Montag könne ich zur Bahnhofsmission, sagte mir jemand im Haus. Also gingen wir beide am Montag dort frühstücken. Noch zweimal musste ich in der Peterstraße nachfragen, ehe endlich Nachricht von der Bank eingegangen war.

Endlich ‘ne Info, ich kam wieder an mein Geld! Aber alle Probleme waren noch nicht geklärt, Miete und Strom mussten ja auch noch bezahlt werden. Deshalb vereinbarte die Beraterin noch für mich einen Termin in einer anerkannten Schuldnerberatung. Das nervte! Aber wenn ich wieder mal solche Probleme habe, geh’ ich gleich in die Peterstraße!


Ob ich meinen Briefkasten leere?

Ob ich was? Na gut, ab und zu. Ups, da war ja wieder so ein Umschlag vom Arbeitsamt, nee, von der ARGE, ach nee, vom Jobcenter – so heißen die ja – drin. Was soll ich? Mich bewerben? Bis wann? Bis übermorgen? Oh je, wie soll ich das denn schaffen? Aber Stress mit denen kann ich auch nicht gebrauchen.

Hm, da war doch so’ ne Anlaufstelle in der Peterstraße. Vielleicht können die mir helfen. Ich ruf da mal an.

Naja, die Beraterin hat schon Recht, ich muss da wohl wirklich persönlich vorbei kommen. Noch am selben Tag kann ich dort vorsprechen. Die kannte mich sogar noch, obwohl wir vor sehr langer Zeit mal miteinander zu tun hatten.

Ob ich zum Bewerbung schreiben auch einen Lebenslauf und Zeugnisse mithabe?

Nö, konnte ich doch nicht wissen. Na zugegeben, hätte ich wissen können. Also nochmal los und die Zettel zu Hause rausgekramt und mitgenommen.

Soll mich ja per Mail bewerben. Wie geht denn das?

Zum Glück unterstützt mich die Beraterin, scannt meine Zeugnisse ein und aktualisiert mit mir den Lebenslauf.

Nun das Anschreiben. Zupacken kann ich ja, wenn`s drauf ankommt, aber so mit dem Formulieren hab ich’s echt nicht. Gut, dass mir die Kollegin da biss’l auf die Sprünge hilft. Fragt, was ich bisher so gemacht habe. Das ist ja noch einfach. Als Bauhelfer hab ich zum Beispiel Putz abgehackt, die Baustelle aufgeräumt, Schutt entsorgt usw. Aber dann geht’s noch um persönliche Eigenschaften.

Bin ich flexibel, bin ich mobil? Bin ich zuverlässig?

Gemeinsam finden wir dann doch ein paar passable und vor allem zutreffende Formulierungen, und die Bewerbungen können pünktlich raus. Geschafft! Irgendwie bin ich der Kollegin schon dankbar, wo bekommt man sonst so schnelle und wirkliche Hilfe?

(Nachtrag: Eine der Bewerbungen führt tatsächlich zur Einstellung im Arbeitsverhältnis.)