Jubel: Heute Mittag stand Chemnitz auf dem Blatt Papier, mit dem die Jury ihre Empfehlung für den Titel der Kulturhauptstadt 2025 bekannt gab. Ideen aus unserem Stadtteil trugen zur Bewerbung bei. Zum Beispiel “Nimm Platz“.

Gemeinschaften schaffen Plätze und Plätze schaffen Gemeinschaft – so lautete die Idee zu „Nimm Platz“. Die Stadt Chemnitz rief auf, ungenutzte Areale oder Plätze mit eigenen Ideen zu füllen. Von den 14 ausgezeichneten und mit je 2025 Euro dotierten Projektideen stammen fünf vom Sonnenberg.

  1. Lese-Insel an der Dresdner Straße
  2. Straßenmalerei auf dem Sonnenberg
  3. Regenschirme über der Sonnenstraße
  4. Grünstreifen am Bauspielplatz Sonnenberg
  5. Blumenuhr auf der Sonnenstraße

Für die Stadtteilzeitung Sonnenberger 3/3020 hatten wir den Stand der Dinge dazu berichtet. Bald werden wir über weitere Umsetzungsschritte berichten. Corona verzögert natürlich manches.

Foto: Gabriele Roßberg

Lese-Insel an der Dresdner Straße
Die Druckgrafikerin Bettina Haller erzählt: Im Frühjahr 2020 gab ich den Gründungsstandort der Sonnenberg-Presse (Würzburger Straße 57) auf und zog an den Fuß des Sonnenberges direkt in das Antiquariat Max Müller (Dresdner Straße 14).Hier plane ich nun zusammen mit dem Antiquar Wolfgang Gebhardt Veranstaltungen, die den Bogen spannen von den ersten Fertigungsschritten eines Buches (Handsatz mit Bleilettern), der Gestaltung und Illustration mit Grafiken im Hochdruck, der Weiterverarbeitung (Handbuchbindung) bis zur reichhaltigen Auswahl von Schätzen der Buchkunst im Antiquariat.

Seit 2018 trägt die Druckkunst den Titel des „Immateriellen Kulturerbes“. Diese mit einer Wunderkammer der Bücher zu verbinden, ist eine bemerkenswerte Kombination.

Da der Straßenabschnitt der Dresdner Straße hinter dem Technischen Rathaus unbelebtes Gelände ist, planen wir eine Leseinsel einzurichten. Wir stellen Tische und Stühle auf, ein Buchangebot bereit und laden Passanten ein, unter Sonnenschirmen und neben Kübelpflanzen Platz zu nehmen. In Ruhe können sie Literatur genießen, miteinander und mit uns ins Gespräch kommen über Grafik, Literatur, Zeitgeschehen …

 

Drei Ideen für die Sonnenstraße

Die Idee zur Straßenmalerei auf der Sonnenstraße hatte Robert Köpferl. Dabei soll eine dauerhafte mehrdimensionale Bemalung für illusionistische Knobelei und spannende Fotomotive sorgen. Wie wäre es, wenn man so rein optisch, den Boulevard entlang surfen könnte …oder Sie durch ein Schachbrettmuster Teil einer Schachpartie werden?

Das zweite Projekt, ebenfalls aus Roberts Feder, soll nicht nur ein Hingucker werden, sondern auch Schatten spenden. Viele bunte Regenschirme, auf Seilen zwischen zwei Hauswänden sorgen für Farbe, Schatten und Regenschutz. Denn den eigenen Schirm hat man ja nie dabei, wenn es auf dem Sonnenberg doch mal regnet.

Falls man keine Uhr am Arm trägt, das Smartphone verlegt hat und trotzdem wissen will, wie spät es ist, könnte man die Sonnenuhr auf der Sonnenstraße nutzen. Die Kinder vom Kindergarten, Spaziergänger, Fahrradfahrer auf dem Weg in die Stadt oder Leute auf dem Weg zum Einkauf.

Screenshot aus dem Video

Die Uhr scheint die schönsten Stunden aber schon vergessen zu haben. Sie ist ziemlich ramponiert und verstaubt und zeigt auch die Zeit nicht mehr an. So richtig einladend wirkt das Ensemble nicht mehr. Stephan Weingart (AG Sonnenberg-Geschichte) und Karola Köpferl (AG Grüne Ideen für den Sonnenberg und Nachbarschaftsgarten Zietenaugust) wollen das ändern. Die Sonnenuhr wird repariert. An diese Sonnenuhr kommen Blumen. Für jede Stunde eine. Jede Blume hat ihren eigenen Biorhythmus – sie öffnet und schließt ihre Blüten zu einer ganz bestimmten Uhrzeit. .Wussten Sie zum Beispiel, dass die Ringelblume um 9 Uhr am schönsten blüht? Oder warum wird die Nachtkerze wohl so heißen?

azu kommen Sitzbänke, sodass man endlich Platz nehmen kann. Auch die künstlerischen „vergessenen Haustüren“- Betonabgüsse einzelner, früherer Haustüren der Sonnenstraße, sollen von den Schmierereien und Graffiti befreit werden. Vielleicht kann zum „Hang zur Kultur“ wieder eine Theatervorführung dort stattfinden.

Karola Köpferl

Grünstreifen am Bauspielplatz Sonnenberg

Mitarbeiter Timo Groß und die Kids vom AJZ-Bauspielplatz freuen sich über die Prämierung ihrer Idee, ein Stück des Gehwegs vor ihrem Gelände an der Sophienstraße zu verbessern. Es ist ein ungepflasterer Gehweg, einer der wenigen aus den Anfängen der Bebauung des Sonnenbergs. Doch deshalb soll er nicht wie eine wilde Fläche einladen, beim Gassigehen den Kot liegen zu lassen.

Als erstes wollen sie deshalb die gepflasterte Markierung in der Mitte des Wegs freilegen, um die Struktur zu zeigen. Dann sollen auf etwa 19 Metern drei Zugänge von der Straße mit Steinplatten angelegt werden, als Trittsteine. Und dazwischen perspektivisch kleine Beete mit Umrandungen aus Recyclingmatrial, vielleicht alten Ziegeln. “Wir suchen geeignete Pflanzen und wollen auch die Pflanzen bestimmen, die von allein auf dem Sand wachsen. Wer kann uns, den Kids und Jugendlichen, mit botanischem Wissen helfen?“ fragt AJZ-Mitarbeiter Timo Groß. Ziel: „Es soll eine botanische Straße werden.“

Katharina Weyandt