„Die bestehende Bebauung des Sonnenbergs bietet“, so hieß es noch 1924 „ … ein städtebauliches Bild, wie es unerfreulicher und seelenloser für ein Wohngebiet kaum gedacht werden kann. An schematischen, baumlosen Straßen sind ebenso schematische Mietskasernen ohne Gartenland im Hinterland mit einer Wohndichte bis zu 800 Einwohnern auf 1 Hektar bebaute Fläche entstanden.“ Dieses harsche Urteil kam vom damaligen Rat der Stadt.

Die heutige Situation ist doch eine ganz andere. Auf dem Sonnenberg gibt es schöne Alleen, wo ausgewachsene Bäume Schatten und angenehme Kühle spenden. An der Würzburger, Sebastian-Bach-, Paul-Gerhardt-, Regensburger oder Humboldtstraße wandelt man im Sommer wie unter einem dichten Blätterdach.

An der unteren Zieten-, Heinrich-Schütz- oder Markusstraße mühen sich hingegen junge Bäumchen, mal zu einem Baum zu werden, nicht alle schaffen es. Baumpaten wie vom Zieten-August versuchen ihnen dabei zu helfen.

Mittlerweile gibt es aber, wie ich gezählt habe, auf dem Sonnenberg mindestens 70 leere Baumscheiben, die auf eine Bepflanzung warten.

Anhand der Verwaltungsberichte der Stadt soll hier ein kurzer Rückblick gegeben werden. Als die Bebauung des Sonnenbergs begann, konnten hier nur die Palm- und Äußere Dresdnerstraße zu den Alleen gerechnet werden. Die Stadtverwaltung war bemüht, diesem Umstand abzuhelfen. So bepflanzte sie 1905 für die damalige Hausen-Straße hinter der „Planitzwiese“, wo heute Ahorn wachsen, auch großblättrige Ulmen.

Aber auch die Grundstücksbesitzer und Bauinteressenten wurden damals vom Tiefbauamt verpflichtet, an den neuentstehenden Straßen im Osten des Sonnenbergs Bäume zu pflanzen. Die Paul-Gerhardt- und die Nürnberger Straße kamen so zu ihrem Lindenschmuck, für die Münchner Straße hatte man Ahorn ausersehen, für die damalige Hausen-Straße hinter der „Planitzwiese“, wo heute Pappeln wachsen, auch großblättrige Ulmen.

Die hauptsächlichen Gefährdungen für die Straßenbäume gingen seinerzeit von Gasausströmungen und vom Anfahren durch Fuhrwerke aus. Über mehrere Jahre setzte ihnen auch die Trockenheit des Jahres 1911 zu, so dass die Bäume nur durch einen starken Rückschnitt ins alte Holz erhalten werden konnten. Nachpflanzungen wurden notwendig – die Setzlinge dafür lieferte die städtische Baumschule.

Selbst während des Ersten Weltkrieges erhöhte sich so der Bestand an Straßenbäumen in der Stadt, der aber auch durch die Eingemeindung ländlicher Vororte zunahm.

Eine spezielle Statistik für den Sonnenberg gibt es wohl nicht, in der ganzen Stadt zählte man indes im Jahre 1922 31.887 Straßen- und Platzbäume, die sich bis 1928 auf 29.683 verringerten. Was war die Ursache dafür? Der Autoverkehr hatte zugenommen, die Bäume waren aber häufig beim Bau der Zufahrten für Autogaragen und schwere Kraftfahrzeuge im Wege. Zwar gab es einen gewissen Zuwachs durch weitere Eingemeindungen von Vororten, im Gefolge der Inflationszeit mangelte es jedoch an Geldmitteln für Neupflanzungen.

Auch heute sind die städtischen Haushaltsmittel begrenzt, so dass wohl wieder viel von Privatinitiative abhinge, angesichts immer wärmerer Sommer für ein erträgliches Stadtklima zu sorgen. Zwar sind Baumpatenschaften wichtig, von denen es viel mehr geben könnte, insgesamt jedoch ein „Tropfen auf den heißen Stein“.

„Bauen“ sollte von den Investoren im umfassenden Sinne als Erhaltung einer wohnlichen, angenehmen Umgebung mit begrünten Innenhöfen verstanden werden. Und wäre es nicht auch in ihrem Interesse, wie einst zur Pflanzung und Pflege der Straßenbäume beizutragen? Die Nachwelt würde es ihnen, wie wir heute, danken.

Stephan Weingart, AG Sonnenberg-Geschichte