Die letzten Jahre waren mit Einschränkungen verbunden, und auch das Heute birgt Probleme, bringt Unsicherheit. Da können Kleinigkeiten und das Hobby dem Alltag Sinn und Freude geben, vom Medienspektakel ablenken.

Im Alter sind die Wegstrecken nicht mehr so lang und der Blick bleibt an Besonderheiten hängen, es gibt Zeit für die Erinnerung und den Vergleich. Diesen Kleinigkeiten und den Besonderheiten möchte ich mich in dieser Ausgabe widmen. Im Hobby Malerei und Grafik wird oft Besonderes als schön empfunden und entsprechend erfasst. So entstehen Bilder, die Gefühle widerspiegeln. Finden sich dann bei Ausstellungen Gleichgesinnte und werden das Bild und sein Inhalt verstanden, braucht es kein Handy zur Übersetzung.

Eingang zur Georg-Weerth-Oberschule, Aquarell von Gabriele Wendlik (2015)

 

Die frühere Körnerschule in der Uhlandstrasse, die eine Zeitlang Georg-Weerth-Schule hieß, trägt seit ihrer Sanierung den Namen Oberschule „Am Körnerplatz“. Sie wurde in den Jahren 1876/1877 erbaut. Heute ist sie Bildungsstätte für ca. 600 Schüler, darunter viele mit Migrationshintergrund.

Gabriele Wendlick war vor Jahren vom Eingang der Schule begeistert, wie sie sagte. Der erhöhte Eingang sei etwas Besonderes, er führe hinauf zu einem Ort, wo einem Bildung zuteil werde. Die Tür zeigt sie im teilweise geöffneten Zustand – die Schule ist offen und wird genutzt. In den Fenstern spiegelt sich das Licht. Das Aquarell ist in hellen Farben gehalten und vermittelt einen freundlichen Eindruck. Ich empfinde das Bild wie eine Einladung zum Besuch der Schule. Die detailgetreu wiederhergestellten Fenster und alten Laternen erinnern uns an vergangene Zeiten.

 

Eingang zur Oberschule „Am Körnerplatz“, Uhlandstraße 2-4

 

Hauseingang auf dem Sonnenberg, Aquarell von Hans-Jürgen Ebert (2014)

 

Hans-Jürgen Ebert malte einen Hauseingang in der Tschaikowskistraße 41, ihm gefielen die Schmuckelemente. Das Portal ist im Jugendstil gehalten, der gern auf solche Details zurückgriff. Das Fenster daneben hat der Maler zur Nebentür werden lassen. Der einstige Besitzer war kein Armer, vielleicht stellt der Kopf über dem Eingang eine Dame aus seiner Familie dar. Aus der Geschichte erfuhr ich übrigens, dass diese Straße bis 1951 Amalienstrasse hieß. Die Tulpen hat Hans-Jürgen Ebert in Farbe dargestellt, um den freundlichen Eindruck, der ihn zum Malen veranlasste, zu unterstreichen. Solche Abwandlungen sind ja bei Bildern, die die Architektur nicht naturgetreu wiedergeben wollen, legitim.

 

Eingang zur Tschaikowskistraße 43

 

Abschließend möchte ich eine Grafik von Edith Rössel vorstellen. Als sie diese zu Papier brachte, war sie noch nicht lange im Verein, entdeckte bei der Motivsuche im Park um die Körnereiche den interessanten Blick auf die Markuskirche.

 

Blick zur Markuskirche, Kohlezeichnung von Edith Rössel (2015)

 

Sie hat ihre Entdeckung mit dem Kohlestift erfasst und lässt uns staunen. Wer hat diese Situation schon wirklich wahrgenommen?

Zu ihrem Anliegen befragt, meinte sie: Für mich steht dieser Blick für Geborgenheit. Ich habe die Markuskirche so in der Astgabel der Trauerweide positioniert, wie ich es als richtig empfand, und war dankbar, dass die Jahreszeit mir eine gute Sicht verschaffte. Dabei steht der Baum im Vordergrund für Beständigkeit. Die Markuskirche im Hintergrund verschwindet, sie ist nur zur erahnen.

Mich selbst hat dieses Bild sehr berührt. Ohne Glauben und ohne Erziehung, egal aus welcher Konfession heraus, ist der einzelne Mensch den Wirren der Zeit kaum gewachsen. Auch die Ausführung konnte nicht besser gewählt werden.

 

Am Theodor-Körner-Platz

 

Die Kunst ist oft schwer zu deuten und erfordert Zeit und Muße. Dafür locken als Preis die Erkenntnis und die Glückseligkeit. Fernab aller Medien findet der Mensch zu sich selbst und kann seine Botschaft aussenden und Botschaften erkennen.

Ingrid Burghoff, Atelier 8-80 (Text und Fotos)