Manchmal begegnen uns in der Nachhilfe Schüler:innen, die uns besonders im Gedächtnis bleiben. So wie die Geschichte von – nennen wir ihn einmal Amir (Name geändert). Als Amir in der 9. Klasse zu uns kam, stand er vor vielen Herausforderungen. Er war erst kurz zuvor nach Deutschland gekommen und der Weg zu einem erfolgreichen Schulabschluss schien weit. Doch Amir hat bewiesen, was mit Mut, Fleiß und der richtigen Unterstützung möglich ist.

Als er in der 9. Klasse zu uns in die Nachhilfe kam, war sein Blick gesenkt und seine Schultern hingen. Die Aussicht auf einen Hauptschulabschluss schien für ihn wie eine unüberwindbare Mauer. Er kämpfte noch immer mit der neuen Sprache, dem ungewohnten Schulsystem und dem Gefühl, fremd zu sein.

Deutsch war für ihn wie ein undurchdringlicher Dschungel. Die Grammatik, die Vokabeln, die Aussprache – alles schien ihm so kompliziert und verwirrend. In der Schule fühlte er sich verloren, die Lehrer:innen schienen viel zu schnell zu sprechen und die Mitschüler:innen waren schon viel weiter als er. Oft saß er einfach nur da und verstand nichts. Die Angst vor dem Versagen nagte an seinem Selbstbewusstsein.

Doch er gab nicht auf. Er meldete sich selbst bei uns in der Nachhilfe an und kam fortan regelmäßig zur Nachhilfe, wo er in einer kleinen Gruppe von Schülern individuell gefördert wurde. Unsere Nachhilfelehrer:innen begegneten ihm mit Geduld und Einfühlungsvermögen. Sie erklärten ihm die Dinge in seinem Tempo, wiederholten so oft es nötig war und ermutigten ihn, Fragen zu stellen. Langsam aber sicher begann er, die deutsche Sprache zu erobern. Er lernte Vokabeln, übte die Grammatik und traute sich immer mehr, Deutsch zu sprechen.

Auch in den anderen Fächern machte er Fortschritte. Er entdeckte seine Stärken in Mathematik und Naturwissenschaften und lernte, wie man effektiv lernt und sich auf Prüfungen vorbereitet. Mit jedem Erfolgserlebnis wuchs sein Selbstvertrauen. Der Blick, der anfangs so unsicher war, wurde klarer und entschlossener.

Die Hürden waren zwar noch da, aber er lernte, sie zu überwinden. Er fand nach und nach Freunde in der Nachhilfe und in der Schule, die ihn unterstützten und ihm halfen. Gemeinsam meisterten sie die Herausforderungen der Schule und feierten ihre Erfolge.

Am Ende der 10. Klasse stand er mit einem Realschulabschluss da, der ihm die Türen zu neuen Möglichkeiten öffnete. Er entschied sich, das Abitur zu machen und seinen Traum von einem Studium zu verwirklichen. Der Junge, der mit der Aussicht auf einen Hauptschulabschluss zu uns gekommen war, hatte es geschafft, sein Leben in die Hand zu nehmen und seine Zukunft zu gestalten.

Seine Geschichte ist ein Beweis dafür, dass mit Mut, Fleiß und der richtigen Unterstützung alles möglich ist. Sie zeigt, wie Bildung Barrieren überwinden und Menschen neue Chancen eröffnen kann. Und sie macht uns stolz darauf, ein Teil seiner Erfolgsgeschichte zu sein.

PS: Was ist ein ESF-Projekt? Die Abkürzung ESF steht zunächst für den „Europäischen Sozialfonds“. Die Motivation hinter diesen speziell geförderten Projekten ist die Verbesserung der Lebensqualität der Bewohner und der Abbau sozialer Benachteiligungen. Die Projektförderung umfasst gezielte und lebensweltbezogene Unterstützungs- und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche sowie Beratungs- und Betreuungsangebote für Erwachsene mit geringen Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Und warum gibt es diese besondere Förderung? Weil bestehende Hilfsangebote zur Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenslagen bei Weitem nicht den komplexer werdenden Bedarf in einigen Regionen decken. Deshalb gibt es diese ergänzenden Angebote, die mit großen Teilen von der EU gefördert werden (85 % EU-Gelder für Personal- und Sachkosten; 15 % städtische Mittel mit bis zu 10 % Eigenmittel-Anteil der Trägervereine, die das Projekt durchführen).