Diplomarbeit Sebastian Resch: Umgestaltung der Hainstraße

Der Chemnitzer Sebastian Resch hat im Bereich Geographie System- und Verkehrstechnik studiert. In seiner Diplomarbeit hat er Ideen zur Umgestaltung der Hainstraße entwickel, welche die Diskussion im Stadtteil anregen. Hier eine Präsentation (12 S. pdf) und Textauszüge aus seiner Arbeit:

Für das Tiefbauamt der Stadt Chemnitz wurden im Rahmen dieser Diplomarbeit
Maßnahmevorschläge zur stadtverträglichen Straßenraumumgestaltung des Kernbereichs
der Hainstraße im Stadtteil Sonnenberg erarbeitet. Ziel war es, neben allgemeinen Maß-
nahmen zur Verkehrsberuhigung, die Hainstraße mit ihren zahlreichen Geschäften aufzu-
werten, zu beleben und zur künftigen Anlaufstelle für die vielfältigen Nutzergruppen werden
zu lassen. Die Grundlagen hierfür bildeten Analysen zur verkehrlichen, städtebaulichen und
sozialen Situation sowie Diskussionen mit den zahlreichen Akteuren rund um den
Sonnenberg.

Entwicklungspotentiale

Die unmittelbare Lage zum Stadtzentrum und dem Naherholungsgebiet Zeisigwald, die junge
Bevölkerung und das hohe Engagement der Bewohner sind eine solide Grundlage für eine
positive Entwicklung des Stadtteils. Trotz aller sozialen, verkehrlichen sowie baulichen
Probleme konnte in den letzten Jahren viel erreicht werden. Gründerzeithäuser mit
begrünten Innenhöfen, Nutzung von Baulücken und brach liegenden Flächen für Begrünung
oder künstlerische Gestaltung lassen den Sonnenberg bunter werden. Dies gibt Hoffnung
und Zuversicht für zukünftige Projekte, welche sich vorzugsweise auf den westlichen und
südlichen Sonnenberg konzentrieren sollten, da hier derzeit noch die größten Defizite
bestehen. Die erhöhte öffentliche Wahrnehmung durch Straßen- und Stadtteilfeste, positive
Pressemeldungen über fertiggestellte Sanierungsprojekte und kulturelle Ereignisse führt zu
einer zunehmenden Akzeptanz des Sonnenbergs auch außerhalb des Stadtteils.

Eine weitere positive Entwicklung für den westlichen Sonnenberg könnte die zukünftige
Erweiterung des Bahnsteigtunnels und die damit entstehende Direktverbindung zwischen
Innenstadtcampus bzw. Hauptbahnhof und Dresdner Straße sein (Bild 5). Dadurch werden
die Wege noch kürzer und insbesondere nach Erweiterung des Innenstadtcampus auch für
Studenten attraktiver.

Zusammenfassend lassen sich zahlreiche Potentiale erkennen, die zu einer positiven
Entwicklung führen bzw. diese weiter verstärken können:

  • Gründerzeithäuser mit zum Großteil hohem Sanierungsgrad
  • preiswerter Wohnraum
  • attraktive Lage zwischen Stadtzentrum und Zeisigwald
  • direkter Anschluss des Hauptbahnhofs an das Stadtviertel (in Planung)
  • gute Verkehrsanbindung
  • Erweiterung des Innenstadtcampus der Technischen Universität
  • hohes Engagement der Bewohner
  • junge Bevölkerung
  • freie Gewerbeflächen
  • wachsende Akzeptanz des Stadtteils in der Bevölkerung
  • […] speziell für die Hainstraße entwickelte Umgestaltungsvorschläge, die eine deutlich
    verbesserte Wohn- und Aufenthaltsqualität zum Ziel haben sowie insgesamt einen
    positiven Impuls für den westlichen Sonneberg geben sollen.

Einteilung in Zonen

Für eine nachhaltige Umgestaltung der Hainstraße ist es sinnvoll diese auf Grundlage einer
Nutzungskartierung sowie der städtebaulichen Gegebenheiten in zwei Abschnitte zu unter-
teilen.

Der Bereich zwischen Lessing- und Palmstraße kann aufgrund seiner eher funktionellen
Bedeutung und Bebauung als „Funktionale Zone“ bezeichnet werden. Diesen Abschnitt gilt
es in seiner Funktion zu erhalten und zu stabilisieren. Neben einer Aufwertung des
Straßenraums ist dabei die verkehrliche Situation im Bereich der „Ärztehäuser“ deutlich zu
verbessern.

Der grundsätzlich gründerzeitlich geprägte Bereich zwischen Ludwig-Kirsch- und
Lessingstraße bedarf hingegen einer besonderen Förderung. Hier sind viele Geschäfte seit
Jahren leer stehend und die straßenräumliche Gestaltung von geringer Qualität. Dieser
Bereich wird im Folgenden in Hinblick auf seine vielfältigen Entwicklungspotentiale als
„Dynamische Zone“ bezeichnet […]

Konzeption „Funktionale Zone“

Da der Straßenverlauf zwischen Lessing- und Palmstraße eher funktional und durch er-
höhten Parkraumbedarf im Bereich der „Ärztehäuser“ geprägt ist, sollte die zweckmäßige
Gestaltung grundsätzlich beibehalten werden. Für Fußgänger sollten sichere und über-
sichtliche Übergangmöglichkeiten in Kreuzungsbereichen durch das Vorziehen des
Seitenraumes geschaffen werden. Die in diesem Zusammenhang realisierbaren
Parkbuchten ordnen den ruhenden Verkehr und geben der Hainstraße in diesem Bereich ein
gepflegtes Erscheinungsbild. Aufgrund des Parkplatzes sowie der Bushaltestellen ist im
Bereich der „Ärztehäuser“ mit erhöhtem Querungsbedarf zu rechnen. Da die Bebauung hier
offener als im Kerngebiet der Hainstraße ist, ist neben der Neuordnung der Parksituation
eine Mittelinsel zur Querung durchaus städtebaulich verträglich und sinnvoll. […]

An den Fahrbahnrändern befinden sich im gesamten Verlauf beidseitig 2,00 m breite
Parkbuchten, die grundsätzlich nur durch Grundstückszufahrten unterbrochen werden. […]

Im unmittelbaren Bereich der „Ärztehäuser“ und der Bushaltestelle „Palmstraße“ ist durch die
erhöhte Nachfrage zusätzlich eine 3,00 m breite Mittelinsel mit abgesenktem Bordstein
empfehlenswert. […]

Konzeption „dynamische Zone“

Die hohe Konzentration an Geschäften bzw. Geschäftsmöglichkeiten entlang einer grün-
derzeitlich geprägten Straße unter verhältnismäßig günstigen Voraussetzungen verleiht dem
Kernbereich der Hainstraße ein Alleinstellungsmerkmal in Chemnitz. Vergleichbare Straßen
wie die Zieten-, Fürsten- oder Frankenberger Straße haben ein zu hohes
Verkehrsaufkommen oder eine für Fußgänger unattraktive Längsneigung.

Die zukünftige Verbindung zum Hauptbahnhof und darüber hinaus zum Innenstadtcampus
der Universität stellt eine weitere Entwicklungschance dar. Neben dem Brühl-Boulevard
könnte sich auch auf der Hainstraße studentisches und alternatives Leben ansiedeln
(Kneipen, Clubs, Szeneläden, Kreativgewerbe usw.) und sich so ein subkulturelles Zentrum
etablieren. Darüber hinaus lassen sich durch die entstehenden kurzen Wege zum Hauptbahnhof sowie zur Innenstadt auch Pendler und Bürger ohne eigenes Kfz gezielt
anlocken.

Aufgrund ihrer erheblichen Defizite und der angestrebten Entwicklungsziele kommt der
„Dynamischen Zone“ eine erhöhte gestalterische Bedeutung zu. Die Verbesserung der
Aufenthaltsqualität mit dem Ziel der Belebung der Hainstraße steht dabei im Vordergrund.
Um den Abschnitt zwischen Ludwig-Kirsch- und Lessingstraße individuell zu fördern, sind
Maßnahmen notwendig, die über eine reine Verkehrsberuhigung hinaus gehen. Die Fahr-
bahnbreite sollte auf ein Minimum reduziert und der Seitenraum im Gegenzug entsprechend
großzügig gestaltet und nutzbar gemacht werden. Ein Agieren der Gewerbetreibenden sollte
ermöglicht und der Aufenthalt für Fußgänger einladend gestaltet werden. Die dafür zusätzlich
benötigte Fläche lässt sich durch die Verringerung der Fahrbahnbreite und durch eine
Reduzierung des Parkraumangebotes gewinnen. Dabei lässt sich die für Fußgänger zu
Verfügung stehende Fläche um mindestens 75% erhöhen. Der resultierende
Parkraumverlust ist dabei vertretbar.

Durch Änderung des Straßenbelags in Verbindung mit einer Anhebung des Straßenniveaus
mittels Anrampung und dem Entfallen von Markierungen lässt sich die Besonderheit des
Bereichs zusätzlich hervorheben. Niedrige Borde mit 3cm Höhe sind geeignet um den Raum,
in Anlehnung an die shared space-Prinzipien, offener und weitestgehend barrierefrei zu
gestalten und so die Trennwirkung der Straße auf ein Minimum zu reduzieren.

Neben der Verringerung des Geschwindigkeitsniveaus und einer verstärkt
fußgängerorientierten Gestaltung des Straßenraums ist es wichtig für eine Belebung
Kontaktpunkte anzubieten. Anwohnern muss die Möglichkeit gegeben werden sich
begegnen zu können. Attraktive Sitzgelegenheiten an geeigneten Stellen sind auf der neu
gewonnenen Fläche dabei ebenso sinnvoll wie die Nutzbarkeit des Seitenraums durch
gastronomische Einrichtungen. Ein hohes Potential für mögliche Treffpunkte bietet die
Hainstraße auch durch die bestehenden Baulücken im Knotenbereich Peterstraße. Auf den
noch ungenutzten Grundstücken lassen sich zum Beispiel ein Gemeinschaftsgarten, ein
Spielplatz, eine Tischtennisanlage und ausgewiesene Grillflächen einrichten. Ebenso wäre
eine Stadtteilbibliothek in einem der leeren Geschäfte denkbar. Die verschiedenen
Nutzergruppen werden motiviert den Straßenraum sowie die Geschäfte auch tatsächlich für
sich in Anspruch zu nehmen. Die angestrebte Belebung entsteht bei entsprechender
„Inbesitznahme“ aufgrund stimmiger Rahmenbedingungen im Idealfall von selbst.

Zusammenfassung

Für den 900 m langen Teilabschnitt der Hainstraße zwischen Fürsten- und Palmstraße
wurden Maßnahmen erarbeitet, die zur Aufwertung und Belebung der Hainstraße beitragen
sollen. Vor allem durch die Einteilung in zwei Zonen unterschiedlicher Funktion lässt sich der
besonders vom Leerstand betroffene Bereich gezielt fördern. Mit dem Ziel, die
Aufenthaltsqualität zu erhöhen und so das Beleben durch Anwohner und Besucher zu ermöglichen, wurde hier das Automobil in den Hintergrund gerückt, ohne es gänzlich
auszuschließen. Es wurde vielmehr darauf geachtet, dass der Bereich aufgrund
städtebaulicher sowie verkehrliche Maßnahmen vom Durchgangsverkehr „freiwillig“
gemieden werden wird und Platz für vielseitige Nutzungsmöglichkeiten geschaffen werden
kann. [..] Insgesamt soll eine Straße entstehen, die vielfältige Funktionen erfüllt, oft und gern
aufgesucht wird und darüber hinaus auch zur Belebung des westlichen Sonnenbergs bei-
tragen kann […]

Hier hat Sebastian Resch Übersichten verschiedener Varianten angefertigt:

Variante 1 Variante 2 Variante 3 Variante 4 Variante 5

 

 

One comment

  • Ich finde die Aufwertung des Sonnenbergs allgemein ein löbliches Vorgehen, angesichts der genannten Vorteile und der Einzigartigkeit sowie damit verbundenen Potenziale gegenüber anderen Stadtteilen. Auch wenn der Sonnenberg im gesamten Stadtgebiet als eines der zwei Stiefkinder behandelt wird, besitzt dieser einen gewissen eigenen Charme.

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