Fahrzeuglampenfabrik Hermann Riemann

Die Fahrzeuglampenfabrik Riemann, Fürstenstraße 83

Firmenprospekt um 1910

Firmenprospekt um 1910

Nachdem bereits 1866 der Firmengründer Hermann Riemann in einer kleinen Werkstatt in der Amalienstraße (jetzt Tschaikowskistr.) Metallkurzwaren herstellte, war die nachfolgende Produktion von Fahrradlampen ab 1888 der große Durchbruch auf dem Wirtschaftsmarkt. Um den Bedarf an Fahrradlampen befriedigen zu können, errichtete er 1894 auf freier Höhe (später Humboldtplatz) sein erstes zweistöckiges Gebäude nebst Heizhaus und seine Fabrikantenvilla an der Fürstenstraße. Eine zweite Riemann-Villa wurde durch seinen Sohn Otto Riemann im Jahr 1908 an der Dietzelstraße (jetzt Hofer Str.) errichtet und später vom Fabrikanten Emil Dieterle gekauft.

Da die Geschäfte von Vater und Sohn gut gingen und auf Weltausstellungen die Produkte ausgezeichnet wurden, folgten ständig Erweiterungsbauten bis in die 1920er Jahre mit dem bekannten „Riemann-Turm“.

Die Firma Riemann galt als Marktführer in ihrem Produktbereich der Fahrzeugbeleuchtung und erhielt auch international beachtliche Auszeichnungen, zu denen der Grand Prix 1910 auf der Weltausstellung in Brüssel zählte. Zu dieser Zeit zählte ihre Belegschaft ca. 950 Beschäftigte.

Auch der sächsische König Friedrich August III. brachte im Jahre 1905 mit seinem Besuch des Werkes seine Wertschätzung zum Ausdruck. Im November 1912 starb Otto Riemann nach kurzer, schwerer Krankheit und hinterließ neben seiner Witwe noch drei minderjährige Kinder. Deshalb führte der Firmengründer Hermann Riemann den Betrieb wieder allein. Doch bereits im März 1913 verstarb auch er. Der Betrieb wurde nun vorerst von der Witwe Hermann Riemanns verwaltet. Ab 1914 übernahm dann der jüngste Sohn Paul Riemann die Führung des Betriebes, die erst in der Zeit des Nationalsozialismus beendet wurde.

Betriebsruine heute Fürstenstr./Hofer Str.

Betriebsruine heute Fürstenstr./Hofer Str.

Zu der Produktion von Fahrradlampen kamen mittlerweile Motorrad- und Automobilbeleuchtungen sowie Signaleinrichtungen dazu. Besondere Großaufträge erfolgten für Militärfahrzeuge im Dritten Reich.

Nach 1945 und dem durchgeführten Volksentscheid zur Enteignung von Kriegsverdienern in Sachsen wurde in den Folgejahren aus der Firma Riemann die „Spezialfabrik für Fahrzeugbeleuchtungen“ in Chemnitz und später der VEB Fahrzeugelektrik Karl-Marx-Stadt mit einem breiteren Produktionsprofil.

Aber auch weiterhin wurden vor allem Scheinwerfer und Zündanlagen für Kraftfahrzeuge gefertigt. In der Gesamtheit (mit Zweigwerken) gab der Betrieb in den nachfolgenden Jahren ca. 1500 Menschen Arbeit.

Ruine Ansicht Fürstenstr.

Ruine Ansicht Fürstenstr.

Nach der politischen Wende im Jahr 1990 konnte der Einstieg in die Marktwirtschaft nicht erfolgreich gestaltet werden, so dass 1992 das endgültige „Aus“ erfolgte. Seitdem verfällt der einstige Betrieb zur Ruine.

Ein Abriss soll für das Jahr 2015 vorgesehen sein.

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